Roadtrip – Teil I

Ja, ich habe es getan. Mich einer „Touri-Tour“ für den Dalton-Highway angeschlossen. Am Ende war es dann doch das mit den vorhandenen Mitteln und dem möglichen Zeitkorridor beste Lösung… Flug nach Prudhoe Bay bzw. Deadhorse und im Bulli zurück – 3 Tage (15. bis 17. August).

Tag 1: Flug nach Prudhoe Bay / Deadhorse
Der Wetterbericht verhieß nichts Gutes für den Flug, aber es wurde nicht so schlimm. Also außer im Nebel zu landen. Aber die Piloten hier oben verstehen ja ihr Handwerk mit den kleinen Maschinen. Kaum ausgestiegen, begrüßte mich Freund Wind mit einer eisigen Brise und pustete mich fast von der Mini-Treppe der 2-propellerigen Maschine. Gut. Alles beim Alten, da kann ja nichts schiefgehen.

Prudhoe Bay ist der Startpunkt der Trans-Alaska-Pipeline, die Öl aus den Ölfeldern hier oben bis in den Süden von Alaska, nach Valdez, befördert. Als beschlossen wurde, diese Ölfelder auszubeuten, war das gleichzeitig der Startpunkt für den Bau des Dalton Highways als Versorgungslinie. Aus dieser Zeit stammen auch noch die vielsagenden Namen der „Dörfer“ entlang des Dalton Highways. „Deadhorse“ ein paar Kilometer südlich von Prudhoe Bay, und „Coldfoot“ ca. in der Mitte zwischen Prudhoe Bay und der Brücke über den Yukon River. Der Name Deadhorse ging auf den Namen einer am Bau der Pipeline beteiligten Firma zurück, während Coldfoot auf – was sonst – Goldsucher zurückgeht.

„Mal eben zum Meer gehen“ geht hier allerdings nicht, das Gelände gehört den Ölfördergeselschaften und man wird nur nach vorheriger Anmeldung durch Tourgesellschaften zum Meer gelassen. Da war es dann also, das Nordmeer. Im Nebel. 🙂 Großartig Zeit zum Ausharren und sentimental werden hat man allerdings nicht, schnell wird man wieder verscheucht nach Deadhorse.

Abends wollte unser Fahrer und Guide Mike noch dem liegen gebliebenen Motorradfahrer Matt einen Gefallen tun und mit ihm das kaputte Rad abholen – am nächsten Tag würden wir ihn wieder dort absetzen. Nette Abwechslung dachte ich mir – komme ich doch mal mit. Die Belohnung war der Anblick von (von vorbeifahrenden LKWs und Autos völlig unbeeindruckten) Moschusochsen. Ein riesiges Erlebnis. Aber es bleibt irgendwie ein komische Geschmack zurück: Man steigt einfach aus dem Auto aus und knipst ein paar Fotos. Wenn man sich diese Begegnungen – wie im Kanu – selbst erarbeitet hat, ist das einfach etwas anderes. Die Fotos werde ich deswegen aber ganz sicher nicht löschen… 🙂

Tag 2: Deadhorse – Coldfoot
Mike hatte übrigens seine 12-jährige Enkeltochter mitgebracht. Voller Stolz trug sie ihr Taschenmesser mit sich herum, wie es „bei uns“ höchstens Jungen machen würden. Aber hier ist das eben anders – sie hat auch mit 11 ihren ersten Elch erlegt…
Wir setzten Matt an seinem Motorrad ab und weiter gings. Unterwegs hielten wir natürlich immer wieder mal an, um die Landschaft zu genießen und wo möglich, Tiere zu beobachten. Die Pipeline war dabei ständiger Begleiter, sie schlängelt sich wie eine Schlange mal links, mal rechts von der Schotterpiste. Dass die Pipeline nicht „gerade“ verläuft, hat mit der wärmeabhängigen (Aus-)Dehnungsfähigkeit der Metalls der Pipeline tun; z.B. könen die Röhren auf den Trägern auch „rutschen“. Gegen abend passieren wir von Dallschafen beobachtet den Atigun-Pass – die höchste Stelle des Dalton Hihways. Hier liegt zugleich auch die Wasserscheide, die die Einzugsgebiete des arktischen von denen des pazifischen Ozeans trennt. Östlich liegt bzw. lag das Arctic National Wildlife Refuge, westlich von uns liegt der Gates of the Arctic National Park der Brooks Range (Gebirgszug).

Tag 3: Coldfoot – Fairbanks
Heute morgen geht es zuerst ein bißchen zurück nach Wiseman, eine 14-Einwohner- Metropole. Auch ursprünglich von Goldsuchern gegründet. Einer der Einwohner, Jack, gibt eine kleine Führung und erzählt von seinem Leben als Jäger. Er uns seine Frau pflegen – soweit möglich – einen „subsistence Lifestyle“. Das heißt z.B., dass die Jagd ausgeübt wird, um sich selbst zu ernähren, nicht der Trophäen wegen. Wenn ich alles richtig aufgenommen habe, muss man als Jäger bei erlegtem Großwild nachweisen, dass das Fleisch auch einer Verwertung zugeführt wird bzw. wurde. Alles andere ist strafbar. Das beeindruckende Detail aber kommt, als er von seiner kürzlich verstorbenen Mutter erzählt. Sie hatte einen Herzanfall und entschied für sich, dass sie nicht „weit weg in ein Krankenhaus gebracht werden will – ihre Zeit sei dann eben gekommen“. Alle Kinder sind dann noch gekommen, um sich zu verabschieden und dann starb sie. Das nächstgelegene Krankenhaus wäre dann auch in Fairbanks, 260 Meilen entfernt. Die innere Zufriedenheit und Gelassenheit der Menschen hier oben beeindruckt mich immer wieder.

Wieder der Yukon
Nachdem wir den Polarkreis in Richtung Süden passiert haben, kommen wir zur Brücke über den Yukon. Ein bisschen komisch ist mir schon zumute, gehe runter zum Ufer und finde den Fluss in totaler (Wind-)Stille wieder. Doch bevor ich anfangen kann meine damalige Entscheidung nachträglich in Frage zu stellen, erfahre ich in der Ranger-Station, wie das Wetter hier in der Gegend bis gestern war… alles richtig gemacht und mein Gefühl war richtig. Puh.

Wieder Fairbanks
Nach dem Ende der Tour muss ich aber schon wieder nach vorne gucken – schließlich fahre ich ja ab morgen selbst. Schnell noch die Einkäufe erledigen. Im „Fred Meyer’s“ (Supermarktkette) treffe ich Sam, der mir ja seinen Wagen leiht. Was für ein Glück, er setzt mich wieder beim Hostel ab.

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