Im Kanu auf dem Yukon

Von den Quellseen bis zur Beringsee

Beiträge von yukonbernd

Yeehaw!

Klammheimlich habe ich dieses Jahr den dritten Versuch gewagt. Und nach 18 1/2 Tourtagen und 830 Kilometern erreichte ich tatsächlich am 27.07. den Ort Emmonak direkt an der Mündung des Yukon in die Beringsee! Yeeeehaw!

Geschichten von unterwegs folgen bald 🙂

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The streets of Emmonak

Mittlerweile überraschte mich fast nichts mehr. Ich traf Denis den Schwimmer wieder in Galena – er war schon vor mir eingetroffen. Er war das Stück von Ruby bis Galena durchgeschwommen (!) und erholte sich hier, machte ein paar Tage Pause. Ich verabschiedete ihn einen Tag später. Als ich ihn in seinem Neoprenanzug in den „Fluten“ Ferne verschwinden sah (es war immer noch stark windig – paddeln wäre keine gute Idee geswesen), fragte ich mich, ob ich ihn wohl wiedersehen würde. Dabei wurde mir auch klar, was ich jetzt machen würde. Ich muss das Boot irgendwie behalten und gucke mir auf jeden Fall noch das vermeintliche Ende an, dachte ich mir. Emmonak, einer der Orte im Mündungsdelta des Yukon. Einmal dagewesen sein und schon mal Infos sammeln.

Barge – Rubymarine
Das Boot behalten zu können stellte sich als erstaunlich einfach heraus: Einen Tag später Tag sollte nämlich eine Barge hier vorbeikommen, flussaufwärts. Diese würde dann weiterfahren bis Nenana, einem kleinen Örtchen am Tanana River, nicht weit weg von Fairbanks. Ich könnte das Boot vlt. mit Mike dort abholen, dachte ich mir und organisierte alles – Jake half mir dabei. Ich sortierte meine Ausrüstung und lud das Boot mitsamt der nicht mehr benötigten Ausrüstung auf eine Palette – fertig. Und das alles für einen Spottpreis – die Fahrten flussaufwärts haben einen anderen Kurs $ pro Pfund (lb) als flussabwärts – keine 100 $. Nur der Flug stellte sich als ganz schön kompliziert raus. Der ging nur über Galena – Fairbanks – Anchorage (mit Übernachtung) – St. Marys – Emmonak. „Alter. Dieser Flug ist mit Abstand fast die unsinnigste Investition Deines Lebens“, dachte ich mir. „Prima – wann geht’s los?“, tönte es aus einer anderen Ecke in meinem Kopf.

How to say Goodbye. Or not.
Jake brachte mich in seinem Truck – ein Wunder, dass der noch lief – zum Flughafen. „Fuck. I did’t say goodbye to the Yukon.“ fiel es mir ein. Jake guckte mich an. „Well. I will tell you something. When the white people first came here, and met the natives here, and they tried to talk with each other – and even today it is the same… well… they act and behave differently. What do the white guys say about the natives? „They don’t tell anything. They even don’t say Hello or Goodbye, just come and sit or stand up and go.“ And the white people are wondering afterwards: „Did we do something wrong? What is wrong with us or them? Why dont‘ they say anything?“ And, the other way round. What do the natives think or say about the newcomers? „The white guys are always talking. Always about themselves, always the similar things which are always obviuos to everybody. If somebody stands up and leaves – everybody sees that the one guy is leaving. Why talking about that?“ Mir drehte sich der Kopf. „Jake… what are you trying to tell me?“ – „Well, Bernd. It is just,… if you are leaving without saying Goodbye… you act like somebody from here – everything ist fine?“ Ich musste etwas schlucken, umarmte Jake und stieg aus dem Auto.

Jake (links) und ein Freund

Jake (links) und ein Freund

Kaltag
„This is Andy, your pilot to Fairbanks“ stellte man mich offenbar meinem Piloten nach Fairbanks persönlich vor. „We are a little bit late and firstly, I have to fly to Kaltag. You can join me if you like. You look somewhat bored. Afterwards I will bring you to Fairbanks.“ Lange überlegt habe ich nicht…
Das Wetter war beschissen. „Wie jetzt? In das Ding soll ich einsteigen? Das wackelt ja jetzt schon!“ dachte ich mir. „Come on, what are you waiting for? You’re only gettin‘ wet!“ sprach’s aus des Piloten Mund und zog mich hinterher. Der Flug war tatsächlich relativ harmlos, wir flogen die meiste Zeit antlang des Yukon. „Gut, dass ich jetzt nicht auf dem Wasser bin. Heilige Scheiße, was für ein bekacktes Wetter da unten. Wellen und Wind, Wind und Wellen… und das geht schon seit vier Tagen so.“ (Anm.: es war aktuell der 17.07.) Es war trotz allem Atemberaubend. Ich spekulierte darauf, ob ich Denis nicht irgendwo dort unten schwimmen sah, aber ich fand ihn natürlich nicht. In Kaltag stiegen ein paar Leute zu und die Rückbänke – bis dahin voll beladen mit Waren für den örtlichen Laden – wurden geräumt. Wir landeten nur kurz in Galena und flogen direkt weiter nach Fairbanks. Dort war Ende mit den feinen Buschfliegern. Erst ab Anchorage ging es mit diesen Maschinen wieder weiter, am nächsten Tag bis nach St. Marys und dann – endlich – nach Emmonak.

The streets of Emmonak
Das Wetter war auch heute fürn Eimer. Wenigstens regnete es nicht, als ich aus dem Flieger ausstieg und völlig verloren auf einer Schotterpiste stand. Die paar Begleiter, die ich hatte, verdünnisierten sich alle schnell oder wurden abgeholt… keiner hatte Platz, mich bis zum „Ort“ mitzunehmen. War auch nicht so schlimm, ist ja nicht weit, dachte ich… wars auch nicht. Ich versteckte meinen wasserdichten Packsack in einem unbeobachteten Moment in einem Busch am Yukon. Jetzt fing es auch an zu regnen. „Zaunpfahl oder was soll das jetzt?“ dachte ich mir. Gegenüber war eine relativ große Insel, große Wellen waren sogar auf dem schmalen Kanal hier. Aber im Gegensatz zu den Dörfern weiter oben am Fluß fuhren die Fischer fleißig raus, denen war der Wellengang offenbar egal. Das Wetter muss hier wohl häufiger so sein, reimte ich mir daraus zusammen. Ich hatte keine Unterkunft und es regnete… flugs beim Postamt nachgefragt (Emmonak hat ca. 800 Einwohner – es gibt ein Postamt), von dort zur „Verwaltung“, dort könne Schlüssel für ein Zimmer im Hotel bekommen. „Was, ein Hotel? Hier???“ Ja. Aber das war natürlich voll. Aber ich soll mal nach einem Jack in der Fischfabrik fragen. Der wäre sehr nett. Also wieder raus. Die Fabrik war natürlich quasi am Ende des Flughafens, das hätte ich auch einfacher haben können, war ja klar. An der Fischfabrik wurde ich erst nur sehr misstrauisch aufgenommen – viele Teenager beäugten mich, als sei ich ein Außerirdischer. War ich ja auch fast. Der Jack empfing mich jedenfalls herzlich und dann waren auch die anderen entspannt. Er gab mir ein Zimmer in einer Unterkunft für externe Gäste. Genauer ein Aufenthalts-/Durchgangs-/Wäschezimmer, in dem eine Couch stand. „Ist this ok for you?“ – „Yes!“ . „Listen, dinner is at 6 and tomorrow breakfast at 8. You are welcome to join us!“ – „Jack, what do I have to pay for this?“ – „Oh. No. You are a guest. You are invited. You mad paddling guys – feel free. By the way, where is your boat?“ Mööööp. Da hatte aber einer die Hupe gefunden. „Well, I stopped in Galena, didn’t feel that going on is a good idea. So I cheated a little and took a flight. To say so, … call it scouting for the next time. I have no boat with me.“ eierte ich hervor. „Ahaha. I knew!“ prustete er hervor und schlug mir kräftig auf den Rücken. „You are wise acting like that, don’t feel ashamed. But I will show you something.“ Jack führte mich zu einem Boot, einem grünen Kanu, dass ich aus den Augenwinkeln schon vorher gesehen hatte. „See this one. You want it? A Father and son gave it to me, they have been here two weeks ago.“ Ich schaute mir das Boot an. Es hatte innen eine Widmung, einen Text. „This boat took Peter and Imre Kabai 1933 Miles down the Yukon River in 34 days. She is a safe and fast vessel.“ Mir fiel die Kinnlade nach unten. Imre Kabai… Ja. Der ist Dir doch 2014 shon einmal begegnet, in Fort Selkirk. Damals aber im Kajak. Und Bryan Brown (siehe Eintrag Trottelbuchten, Hobbithöhlen und wer ist hier eigentlich der Boss?) erzählte mir später, das er nach einem nicht so schönen Erlebnis mit einem Bewohner von Grayling damals nicht mehr weiterkonnte (sein Sohn sei damals schon früher ausgestiegen). Und jetzt das hier … die komplette Strecke in 34 Tagen… Jack merkte irgendetwas. „I know this guy. I met him 2014.“, sagte ich. – „And?“ wollte Jack wissen. „Keep trying…“ murmelte ich in meinen Bart. Dann ließ Jack mich allein.
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Nobody ist die Größte

Jake
Um diesen Jake zu finden, paddelte ich zu der Stelle weiter, die die Verkäuferin mir empfohlen hatte. Es war eine ziemlich große, flache Anlegestelle; eine Straße hatte einen Abzweig hier herunter. „Da oben links muss es sein, dort bei dem halb verfallenen Bulli“, dachte ich bei mir. Jake soll sehr rustikal und bescheiden leben, hatte man mir mit auf den Weg gegeben. Ich schlurfte den Abzweig entlang. Rechts ein Bulli, daneben eine Art Dauer-Stand-Zelt mit Werkstatt drin, links eine „Hütte“ aus Zeltplane, daneben ein Holzhaufen. Hmm… Aber weit und breit niemand zu sehen. Ich lief ein paar mal auf und ab, das Paddel über der Schulter. Auf einmal kam eine Gestalt aus dem Bulli, guckte mich an und hob die Arme, als ob ich ein lang ersehnter Gast sei. „Hey, who are you? I am Jake, the Russian. Where is your canoe? Come in [in den Bulli], I will make coffee.“ … und schon saß ich drin, in Jakes Wohnung. Ein wenig sehr rustikal, aber gemütlich. Nachdem geklärt war, wo ich herkomme und was ich hier mache ist schnell klar, dass ich hier auch bleiben und das Zelt aufschlagen kann. Fürs erste verabschiedete ich mich von Jake und baute das Zelt neben der Zeltplanen-Hütte auf. Ich musste nachdenken, denn mir saß etwas schon die ganze Zeit sehr schwer im Magen: Mach ich weiter oder stoppe ich hier – „schon wieder“?

Aufgeben ist keine Alternative – was genau heißt das eigentlich?
Einerseits merkte ich schon seit einiger Zeit sehr deutlich, dass irgendwas nicht stimmte; so richtig Spass machte es irgendwie nicht. Warum, konnte ich mir nur nicht wirklich erklären. Eigentlich liege ich gut in der Zeit. Bis auf die Sache mit der Isomatte ist auch alles hervorragend gelaufen. vielleicht hätte ich einen, höchstens jedoch zwei Tage schneller sein können. Sicher, der Fluss wurde – wenig überraschend – immer größer. Das Naturerlebnis ließ sehr stark nach, im Gegenzug dafür wird alles windanfälliger. Und dabei war die letzten Tage gutes Wetter! Wenn ich jetzt „wieder“ vorzeitig aufhöre… Boah. Habe ich einen Lärm gemacht vorher, schießt es mir in den Kopf. „Aufgeben ist keine Alternative“-Spendenaktion. Acht Wochen freigenommen, den kompletten Jahresurlaub aufgehoben.
„Ist das der Moment, in dem Deine Entschlossenheit auf die Probe gestellt wird?“ fragte ich mich. Und je mehr ich so darüber nachdachte, desto nerviger fand ich das alles. Alles viel zu pathetisch. Wem muss ich denn hier etwas beweisen, was soll das denn? Ich bin hier, damit es Spass macht und Punkt. Soll mir erst mal einer bis hierhin nach- und dann der Rest vormachen. Ich möchte es doch in der Art und Weise vollenden, die mir Spass macht, die zu mir passt. Aufgeben ist keine Alternative – aber was heißt das eigentlich genau? Wann hätte ich denn tatsächlich „aufgegeben“? schoss es mir weiter durch den Kopf und ein paar Momente später wurde mir erlösend klar: „Komme ich halt NOCHMAL nochmal wieder, wieder ein bisschen besser vorbereitet. Soll der Rest der Welt doch denken was er will. Spendenaktion? Ist doch Geld zusammengekommen für eine gute Sache – das ist in keinem Fall verkehrt. Und so traf ich die Entscheidung: Hier ist erstmal Ende und verkrümelte mich dann in die Bar für ein paar verdiente Bier. Ja, eine Bar, die gab es hier tatsächlich!

Nobody
Während des Rumlungerns am Tresen – es gab hier sündhaft teures Dosenbier – fiel mir auf, dass ich mein Boot noch gar nicht getauft hatte. Ich schlug mir innerlich vor die Stirn. Das musste ich schleunigst nachholen. Ist vielleicht auch Motivation, das Boot diesmal zu behalten und nicht zu verscherbeln oder gar liegen zu lassen. „Freiherz II“ war mir zu blöd und was mir sonst so einfiel fand ich auch alles irgendwie zu aufgeblasen. Ich dachte noch ein bisschen nach, mein Blick fiel auf die ganzen Hüte am Eingang der Bar… Ja. Nobody. Das ist es. Ja, das fühlte sich gut an. Wie Karneval, nur ohne blaue Kontaktlinsen 😉
Das Fenster zur Welt
Ein paar Bier und Telefonate später torkelte ich aus dem Schuppen wieder raus, klebte die Buchstaben, die ich schon die ganze Zeit mit mir herum geschleppt hatte ans Boot und legte mich schlafen bis zum nächsten Tag. Als ich wieder aufwachte, wehte starker Wind. Ha – hatte mich meine Ahnung mit dem Wetter nicht im Stich gelassen. Ich unterhielt mich mit Jake, der mir erst einmal Kaffee kochte. Jake nennt sich selbst „The Mad Russian“, weil seine Eltern irgendwann geflohen sind. Er selbst hat immer noch den Status eines Flüchtlings und könnte Amerikaner werden, will das aber nicht – und so hat er bis heute keinen Pass und kann das Land nicht verlassen. Das will er aber gar nicht und ist so glücklich und zufrieden. Während der Unterhaltung sickert irgendwas aus meinem Gedächtnis herab in mein Bewusstsein. Jake. Mad Russian. Hmm. „Jake, do you know some german guy with a canoe made of birch-bark? I think his name is Dirk Rohrbach.“ – „Oh Dirk. Yes of course, I do. But it is at least one year ago he has been here. You put up your tent exactly where he did.“ Oh was ist die Welt doch klein. Dirk Rohrbach ist Autor und – mittlerweile – Filmemacher. Er ist schon den Yukon hinuntergepaddelt in einem Kanu aus Birkenrinde, zuletzt hatte er Jake interviewt für eine 5-teilige Doku über den Yukon – Jake war schon im Fernsehen zu sehen. Unfassbar. 🙂 Der Rohrbach also wieder – wie damals bei Sucker-Bay-Jimmy (siehe Blog-Eintrag Trottelbuchten, Hobbithöhlen und wer ist hier eigentlich der Boss?)

Bilderstrecke: Run to Galena

Bilderstrecke: Bärenblut

Run to Galena

Pausentag
Ich blieb noch einen Tag. Denn beim Abendessen vor der Bärenbegegnung – es gab Stachelschwein (!) im Topf – wurde mir klar, dass ich mit diesem Rythmus nichts, aber auch gar nicht vom Leben am Fluß mitbekam. Irgendwie fühlte es sich an, als sei bis auf die Geschichte mit dem Schwarzbär auf der gesamten Tour nichts passiert und mich durchströmte eine innere Müdigkeit. Also fragte ich am nächsten morgen, ob ich noch einen Tag bleiben könne, und bot im Gegenzug meine Hilfe an, für was auch immer. Aber sicher ging das. Heute musste Holz zum Räuchern geholt werden, und natürlich die Fischnetze kontrolliert. Nach der ersten Kontrolle der Netze mit dem Boot fuhren wir weiter „raus in den Wald“ – es waren schon ein paar Stellen flussaufwärts markiert. Gut, dass ich das Arbeiten im Wald und mit der Motorsäge schon kannte und damit auch tatsächlich eine Hilfe war. Ganz schön schweißtreibend, denn heute war wunderschönes Wetter. Zum Mittagessen ging es zurück – es gab leckeren Eintopf – und danach wieder Netze kontrollieren und an einer anderen Stelle Holz schlagen. Zum Räuchern eigenet sich bereits trockenes Holz der hier wachsenden Pappelart (Cottonwood) am Besten, es gibt einen genz speziellen Geschmack. In den Netzen fanden wir jedoch an jedem Tag jeweils nur zwei Königslachse, der „Rest“ war Dog- oder „Chumsalmon“. Dieser eigne sich nicht sogut zum Räuchern, da der Fettanteil im Fleisch nicht hoch genug sei. Merke: je roter das Fleisch, desto höher der Fettanteil. Mit dem Fettanteil steigt auch die Resistenz gegen Parasiten und die Haltbarkeit. Das ist besonders zu Beginn wichtig, da der Fisch erst einmal „nur“ getrocknet wird – in dieser Phase dürfen Maden keine Chance haben.

Alter Bekannter
Hans, eines der Kinder, rannte auf einmal vom Fluß hinauf. „Da braucht einer Hilfe!“ Schuwpps, schon saß ich allein beim Abendessen. Aber ich hatte da so meine Vermutung, dass dieser jemand ganz sicher keine Hilfe braucht. Ich ging schließlich gemächlich hinterher und sah wenig überraschend Denis auf das Ufer zuschwimmen… Das verschaffte mir ein wenig „Pause“, denn so ein Schwimmer zieht erst einmal sämtliche Aufmerksamkeit auf sich.
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Sonne
Ein wenig erholt, aber auch ein wenig traurig stach ich dann am nächsten morgen wieder in die den Fluß; Denis war schon früher losgeschwommen. Ich dürfe gerne wieder kommen, besonders zum Arbeiten, gerne auch den ganzen Sommer, gab man mir schmunzelnd unter Umarmungen noch schnell mit auf den Weg. Ja, das wäre was. Ein Sommer am – nicht auf – dem Yukon… Bis nach Galena waren es noch rund 80 Meilen und bis Ruby noch ca. 30 Meilen. Ruby solle man sich unbedingt ansehen, aber dazu musste ich den Fluß queren, was ich eigentlich vermeiden wollte. Der Tag war unglaublich schön, die Sonne brutzelte mich wortwörtlich und kein Wölkchen war am Himmel. Ich sah Denis noch einmal am Ufer Pause machen und gesellte mich wieder zu ihm. Er sprach von seinem – alten – Berufsleben und seiner Tochter und war etwas bekümmert. „I can tell people that they are not at the right place. In my opinion bad news are better told quickly and without additional honey. People will hate me anyway afterwards. I can hire, I can fire. My daughter doesn’t understand that. And, especially, she doesn’t understand why I am doing this. I just want to tell that everybody can do as he likes. You are free. You are free if you want.“ Ansatzweise konnte ich vermuten, was seine Tochter meinte. Was im Umkehrschluss nur bedeutete, dass er alles, was er tut und sagt auch genauso will und meint. Der Unterschied wird dann eher in der Lebenserfahrung liegen, vermutete ich weiter. „May be your daughter does not understand you now. But in some time, she will. I am sure. You just have to wait.“ versicherte ich ihm. In meinem Inneren fragte ich mich still, ob ich denn schon zum Seelenklempner am Fluß verkommen sei 😉 Es war Zeit, weiterzupaddeln…

Braten
Unerbittlich knallte die Sonne von oben. Die Einmündung des des Melozitna-Rivers zog ermüdend langsam vorbei und ergoß (für mich mittlerweile unglaublich) klares Wasser in den Yukon. Ein Elch stand am Ufer im Wasser – endlich mal Gelegenheit, ein Tier richtig aus der Nähe zu fotografieren.dsc_0477
Ruby ließ ich links von mir vorüberziehen. Keine Experimente jetzt, dachte ich mir. Viel weiter kam ich aber nicht. Ich musste unbedingt anhalten, wollte ich nicht bei lebendigem Leib anfangen, zu brennen. Sonnenschutzcreme war angesagt. Dazu hielt ich nach einer entsetzlich eintönigen Strecke und nach einer gefühlten Ewigkeit an einer wunderschönen Insel an. Sandstrand und eine flaches Hochplateu zum Zelten. Unfassbar. Der beste Zeltplatz ever am ganzen Fluß! Also blieb ich, genoß den „Abend“ und ein Bad im Fluß. Am nächsten Morgen musste ich verwundert feststellen, dass der ganze Fluß voll mit Treibholz war. Häh? Oh, klar, das Wasser war schon wieder gestiegen, wie die letzten Tage. Und irgendwann wird bereits gestrandetes Treibholz wieder weitergetragen. Gut, dass ich alles hoch auf die Insel gezogen hatte. Die Sonne schien wieder gnadenlos und ich machte mich, endlich wieder in einem normalen Tag/Nacht-Rythmus angekommen, wieder auf den Weg. Ein Schwarzbär trottete am Ufer und blickte mir lange hinterher. Hoffentlich kein Verwandter von vor ein paar Tagen…

Riesig
Der Fluß war unglaublich breit geworden. (Nicht erst jetzt, schon seit der Brücke.) Das andere Ufer konnte man kaum sehen und es ging, auch wenn es Kurven waren, gefühlt nur noch geradeaus. Windanfällig. Und jetzt ist noch gutes Wetter. Irgendwie war diese Monotonie ermüdend für den Kopf, so richtig Spass machte das so nicht. Und das soll jetzt – bei gutem Wetter – noch mindestens drei Wochen so weitergehen? Boah… Ich füllte meinen Hut mit Wasser und setzt ihn mir auf den Kopf. Herrlich kalt. Gut um auf andere Gedanken zu kommen. Trotzdem musste ich mich ja bald entscheiden, denn in Galena wäre die geschickteste Möglichkeit, aufzuhören. Spendenaktion hin, Stolz her. Spass sollte es schon machen. Pfft. Weiterpaddeln. Kurz vor meinem angepeilten Tagesziel entdeckte ich weiße Punkte am rechten Ufer, die sich nach und nach als Kreuze entpuppten. Ein Friedhof? Hier? „London Cemetery“ stand auf der Karte. Ich machte kurz halt und schaute mir alles an. Es war ja nicht mehr weit bis Galena, so 15 Meilen noch. Der Friedhof wurde sogar noch benutzt, hier mitten im Nichts. Unglaublich. Ein bisschen gruselig war das jetzt schon, deswegen fiel es mir nicht allzu schwer, wieder ins Boot zu steigen. In der Ferne waren auch langsam dunkle Wolken zu erkennen. Das konnte mit dem Bombenwetter ja auch nicht wirklich lange gut gehen. Schnell den Lagerplatz angesteuert und das Zelt aufgebaut. „Mist. Hier sind ja Bärenspuren. Auf einer Insel? Och nee. Egal, die sind ja alt, da war das Wasser bestimmt tiefer. Und klein. Also doch hierbleiben.“ Das Gewitter zog aber vorüber und ließ mich noch einen wunderschönen Abend genießen.

Run to Galena
15 Meilen warteten noch auf mich. Dann sollte ich wieder in einer „Stadt“ sein (600 Einwohner). Am Wetter hatte sich nicht viel geändert, und so paddelte ich den endlos geradeaus anmutenden letzten Teil gemächlich weiter. Nur ein bißchen Wind (Gegenwind natürlich) war jetzt ab und zu da. Und, irgendwann, zeigten sich die ersten Boote, Anleger und Häuser. GESCHAFFT!!!! Nur so richtig freuen konnte ich mich nicht, mir war eher zum Heulen zumute. Ich legte an und ging zum nächsten Laden, von dem ich zufällig nicht so weit weg war und gönnte mir erst einmal ne Limo. Und laberte die Verkäuferin voll. Wo ich denn gut Zelten könne usw.. Ich brauchte so langsam wohl doch wieder etwas Gesellschaft? Sie gab mir den Tipp, nach „Jake, the (mad) Russian“ Ausschau zu halten. Moment mal… von dem hatte ich doch schon einmal irgendwo etwas gelesen? Oder Gehört? Hmmm. Also weiterpaddeln. Zu Jake.

Paddelbilanz
470 km in 10 Tagen (05.07. bis 14.07.), davon 1 Tag Schlechtwetter-Warten, 1 Pausentag und zwei Tage mit „halber“ Ganztagesdistanz (erster und letzter). Was war anstrengend? Die Größe des Flusses und die damit verbundene Windanfälligkeit. Neuer Tag-/Nacht-Rythmuswechsel. Highlights waren der Pausentag und die Familie am Camp, die Begegnungen mit Denis und den Tieren. Auch wenn es in dem einen Fall kein Happy-End gab. Vor den Rampart-Rapids muss man sich eher nicht fürchten.

Bilderstrecke: Yukon Flats

Bärenblut

Von den vermeintlichen Pausentagen war ich so geschlaucht, dass ich relativ früh das nächste Camp auf einer Insel machte, so ungefähr zwei, drei Flussbiegungen nach der Brücke. Was „nur eine Flussbiegung“ ab jetzt bedeutete, durfte ich direkt kennenlernen. So eine „Biegung“ zu durchfahren – zur Sicherheit immer schön in Ufernähe bleiben – dauert dann mal locker eine dreiviertel Stunde oder mehr. Außerdem kam mir am Anfang noch eine Barge entgegen (ja, gegen die Strömung!) – die riesiegen Transportkähne fast ohne Tiefgang. Da es die erste Begegnung mit einer Barge dieser Größe für mich war, bin ich auch zur Sicherheit schön rechts ran und hab mir dann einen Ast gewartet. Um dann festzustellen, dass die Dinger keine Wellen machen, vor denen man als Kanut große Angst haben müsste 🙂 Aber auch mit anderen Problemchen durfte ich Bekanntschaft machen: Das Anlanden an den Inseln wurde etwas schwierig: Man war zwar „an Land“. Aber noch lange nicht dort, wo man Camp machen und das Boot sichern konnte – wie an der Nordsee bei Ebbe… Alles war insgesamt eine Nummer größer.
Für die nächsten Tage hatte ich mir vorgenommen, immer ein bisschen früher mit dem Paddeln zu beginnen, um irgendwann wieder einen zur Tageshelligkeit passenden Rythmus zu haben. Zumindest beim ersten Versuch klappte es einigermaßen: 3.45 erreichte ich die vorab ausgesuchten Insel, die Aussicht auf das gegenüberliegende Ufer im Sonnenaufgang war grandios. 5 Uhr im Schlafsack, 11.00 Uhr Saunatemperatur im Zelt. Trotzdem war es tagsüber windig. Wieso kriegt mein Zelt denn nix von der kühlenden Belüftung ab? Ach ja, ich habs ja immer so geschützt aufgebaut, dass ich wenigstens ein paar Stunden Ruhe vor der Sonne habe… damit aber auch Ruhe vorm Wind 🙂

Krach im Unterholz
Heute sieht es gut aus, ich könnte schon um 18 Uhr lospaddeln und packe meine Sachen zusammen. Plötzlich gibt es einen lauten Knall. Was war Das? Ich blicke mich um und entdecke Rauchkringel im Himmel, Richtung stromaufwärtsgelegener Spitze der Insel. Das muss ein Schuss gewesen sein. Aber sonst nichts zu hören. Oder braucht jemand Hilfe? Ich stecke den SOS-Messenger wieder an den Arm, löse das Bärenspray aus meinem Gürtel und schnappe mir die Axt, dann gehe ich zum Ufer Richtung Inselspitze. Ich rufe laut. Nichts. Ich laufe weiter, fange an zu rennen, rufe weiter. Dann, plötzlich, sehe ich ein Zelt, davor ein Männlein hocken. Gefährlich sieht es hier nicht aus, ich werde langsamer. Dieses Zelt… ich kenne es. Es ist Denis, der Schwimmer. Er freut sich, mich zu sehen und nicht einen Bären. Er hat einen Bear-Banger abgefeuert, weil ihm die Geräusche im Unterholz (meine Geräusche vom Abbauen) nicht geheuer waren. Nach dem Schwätzchen und furchtbar vielen Süßigkeiten breche ich auf. Nicht um 18, aber wenigstens um 19 Uhr. Die Rampart-Rapids warten auf mich – die letzten Stromschnellen des Yukon. Hier liegen jede Menge große Felsen in der Mitte des Flusses. Bevor ich diese passiere, mache ich an einer Insel vor dem Dorf Rampart Pause und vertilge gegen 23 Uhr Müsliriegel und geröstete Erdnüsse, dazu eine Tasse Kaffee aus der Thermoskanne. Ein Elch will den Fluss durchschwimmen und dreht ab, als er mich bemerkt. Zu dunkel für ordentliche Fotos – schade. Die Rapids selbst sind nicht etwa direkt am Dorf Rampart, sondern Kilometer später, an einer engeren Flussbiegung. Links und rechts der Felsen kann man gut passieren – kein Problem. Danach komme ich an vielen Fishcamps vorbei. Sie sind zurzeit bewohnt, aber natürlich ist des nächtens niemand zu sehen. Mist. So bekomme ich hier nichts vom Leben am Fluss mit. Ich suche mir eine Insel ca. 16 Meilen weit vor Tanana – dem Dorf gegenüber der Einmündung des Tanana-Rivers, dem größten Zufluss des Yukons. Ich hoffe, morgen dort zwischendurch halt machen zu können, um eine warme Dusche mitzunehmen. Und und Wäsche zu waschen.

Pustekuchen
Die Idee war verständlich, aber der Wind machte mir einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Zwar paddelte ich zeitig los. Trotzdem musste ich, als ich gegen 17.45 (gerade einmal 8 Meilen), von Treibholz überholt wurde, die Sinnlosigkeit meines Kampfes einsehen und landete an. Boot festgemacht, die Böschung rauf, Zeltplatz suchen, wieder runter. Regen dräute nicht, also wartete ich einfach, aß etwas und hockte im Campingstuhl (ja soetwas habe ich tatsächlich mitgeschlört). Es flaute auf einmal ab. War ja klar – wenn ich anlande, hörts auf. Ich traute dem Braten aber nicht und lege mich ans Ufer, schlief eine Runde. Nachdem ich aufwachte, konnte es relativ unkompliziert weitergehen. Tanana erreichte ich dann erst um 20.30 Uhr, nachdem ich zu Beginn des Dorfes von gefühlten tausend Schlittenhunde-Teams angebellt wurde. Am Ufer traf ich auf den örtlichen Flughafen-Wetterfrosch Alex. Ein Ungar, der vor 50 Jahren hierhin ausgewandert ist. Er fuhr mich ein wenig rum, zeigte mir auch den lokalen Campingplatz des Dorfes – sehr schön am Ende des Dorfes gelegen und mit Plumpsklos! Die Washeteria hatte aber zu und machte erst am nächsten Tag um 12 Uhr mittags wieder auf, nur frisches Wasser konnte ich bunkern. Es war schön in dem Ort, aber wegen einer Dusche und Wäsche einen Tag zu warten machte irgendwie keinen Sinn und so fuhr ich weiter. Gegen Mitternacht paddelte ich zu einer Hütte am Ufer (Cabin), zu der mich drei dort sitzende Männer winkten. Es gab Tee und ein paar Infos. Sie kamen aus Tanana und kontrollierten hier ihre Fischnetze. Nachdem ich die Hütte verlassen hatte, musste ich zum ersten mal feststellen, dass man nicht mehr an allen Inseln anlanden konnte – Abbruchkanten. Mist. Soo viele Inseln gibt es hier laut Karte nicht und am Festland wollte ich wegen möglicher Bären nicht campen. Dann sah ich am Ufer (Festland) eine Ansammlung von Hütten und Booten. Was war denn das? Ich paddelte hin und spekulierte auf einen Platz zum Zelten. Wie sich herausstellte war es ein Bibelcamp – Ferienbetreuung für Kinder und Jugendliche, Landebahn für Buschflieger – ein kleines Dorf. Ganz wohl war mir nicht bei der Sache, denn ich konnte niemanden um Erlaubnis bitten. Insgesamt war ich aber zu kaputt, um weiterzufahren. Ich suchte mir ein Plätzchen nah am Ufer so dass ich eigentlich niemanden stören konnte, aber nah genug um nicht übersehen zu werden. Ich befestigte ein Zettelchen am Zelt und fiel um 3 Uhr in tiefen Schlaf. Irgendwann näherten sich erwartungsgemäß Schritte meinem Zelt. Gunnar aus Galena war einer der Betreuer hier vor Ort und rüttelte an meinem Zelt. „Beauftragt“, rauszufinden, wer denn da sein Zelt aufgebaut hatte. Nach er kurzen Unterhaltung war schnell klar, dass ich doch kein Verbrecher war. Aber es war offenabr auch gut, dass nachts niemand zum Fragen da war, denn dann hätte man mich wohl weitergeschickt… Aber jetzt wo ich schon mal da sei – kein Problem. Im Laufe des Tages kamen dann eine ganze Reihe der Betreuer vorbei, einer wollte mir gar eine 5-kg Bibel mitgeben – ich war wohl eine willkommene Gesprächsabwechslung. Oder Bekehrungskandidat. Gunnar gab mir zum Abschied sogar noch ein reich bestücktes Lunchpaket mit, als ich gegen 17 Uhr meine Sachen packte. Nur unten am Boot… der Wind war wieder da. Merkwürdig. Eigentlich flaute es um diese Zeit ab und nicht auf. Was soll’s – Boot wieder entladen war keine Option, also legte ich mich auf den schwimmenden Steg versuchte zu schlafen. Kaputt war ich. Immer noch. ich hatte irgendwie den Eindruck, dass außer Anstrengung im Boot (inkl. Wind) nicht wirklich etwas passiert ist und mir irgendwie etwas fehlt. Meine Akkus waren alle? Ich schlief ein. Es wurde zugig – ich zog meine Jacken an und schlief wieder. Zwei Stunden weiter hatte es etwas abgeflaut und ich wollte weiter, setzte darauf, dass es ab jetzt „normalerweise“ weiter abflaut. Tat es auch. Heute sollte es durch die „Boneyards“ gehen. Eine Stelle, an der der Yukon durch zehntausende Jahre alten Permafrostboden schneidet und an dieser Stelle („The Palisades“ genannt) regelmäßig
eingefrorene Kadaver von Eiszeitsäugetieren (z.B. Mammuts) freigelegt werden. So soll es bei wenig Wind auch nach Verwesung riechen. Wie sich später herausstellte, passte aber meine Route – die ich nach einer Beschreibung an der am geringsten Windanfälligkeit orientierte – nicht zur Erkundung der Boneyards passten. Irgendwie war heute insgesamt der Wurm drin. Gegen 1 Uhr nachts fing es wieder an, windig zu werden, und gegen 3 Uhr – als ich rechts am Festlandufer ein relative gutes Plätzchen entdeckte und gleichzeitig geradeaus in 2-3 Meilen Entfernung sichtbar Sand durch die Luft gefegt wurde – legte ich an. Das es Festland war, war mir diesmal völlig egal. Morgen geht bestimmt nix. Aber immerhin kann ich dann pennen.

So wars auch. Es stürmte und Regen gabs auch ab und zu. Trotzdem versuchte ich wieder um 17 Uhr loszumachen, als es auf einmal völlig abflaute. Nur da hinten, wo gestern die Sandstürme waren, waren jetzt immer noch Sandstürme – egal, die flauen bestimmt auch bald ab. Taten die nicht. Nach ungefähr einer Meile musste ich wieder anhalten für ca. eine halbe Stunde, danach war es nach ca. einer halben Meile wieder so weit. Moment. Noch bis zu der Cabin da vorn. Die sieht bewohnt aus – dort eine Pause zu machen macht bestimmt mehr Spass. Ich paddelte also zur Anlegestelle und wurde sogleich von einem Motorboot und Menschen am Ufer begrüßt. Ob ich hier eine kurze Pause machen dürfe – ja sicher! Auch das fast schon erlösende „Kannst auch hier zelten“ wurde mir sogleich angeboten. Puh. Aber ein Schwarzbär sei heute morgen im Camp gewesen. Den habe man mit Schüssen verscheucht, aber es könnte sein, dass der wiederkommt. Ob ich denn eine Waffe dabei hätte. Nö. Dann wird man mir eine geben. Ähhh… ok. Dann gab es für mich aber erstmal Reste vom Abendessen, von dem noch reichlich übrig war. Leckerer Bohneneintopf – es war fast wie im Himmel hier. Man zeigte mir noch „eben“ die 4-10, eine Art Schrotflinte mir kleinerem Kaliber als hier üblich, die ich im Notfall zum Verscheuchen des Bären nutzen sollte (und um alle anderen zu wecken). Dann wollte er noch eben das Fischnetz kontrollieren – ob ich denn mitwolle. Aber sicher! Während der Wind noch blies, fuddelten wir Lachse aus dem Netz, dass ins Kehrwasser vor der Cabin gelegt war. Wow, ich nehme am Subsistence-Leben teil! Im Netz waren aber hauptsächlich Chum- oder Dog-Lachse (Salmon), die Familie war eigentlich auf Kingsalmon aus. Den könne man am besten trocknen und räuchern, denn das Fleisch ist am fetthaltigsten (rote Farbe).
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Bärenblut
Puh, da war heute ganz schön viel los. Vielleicht kann ich ja morgen auch noch hierbleiben und ein wenig helfen, das ist bestimmt eine gute Abwechslung, denke ich. Ich gehe zum Zelt und krame ein wenig herum, um alles Bett-fertig zu machen. Mein Blick fällt auf die Schrotflinte. Ob ich die wirklich brauche? Aus einer Ahnung heraus erhebe ich mich und blicke auf. Ein schwarzer Meister Petz steht, nur gut 20 Meter von meinem Zelt entfernt, halb hinter einem Busch und erkundet schnüffelnd mit der Nase in der Luft das Camp. Ähh…. Ich versuche, mich groß zu machen und zu rufen, die Hände über den Armen. Es interessiert ihn nicht, und er bewegt sich auch nicht irgendwohin. Die anderen sind schon im Bett? Was jetzt? Bärenspray. Nee erst die Flinte. Erst laden, aber geknickt lassen. Dann Bärenspray in die andere Hand, zur Not fallen lassen. Aber was will ich denn tun? Wenn ich ihn verscheuche – der kommt doch wieder? So gehe ich also, den Blick immer auf dem Bären, zum Haupthaus und rufe die anderen wieder heraus. Der Bär wird von heute morgen wiedererkannt. Die Entscheidung ist schnell gefallen. Wenn der heute morgen verscheucht wurde und jetzt schon wieder da ist – es sind auch drei kleine Kinder im Camp. Tom holt die Shotgun aus dem Haus und geht ein paar Schritte auf den Bären zu, dann in die Hocke. Ein Schuss, und der Bär liegt am Boden, die Tatzen zucken noch. Noch ein Schuss. Warten. Der Bär, er ist tot. Doch was tun mit dem toten Bären? Kein Problem, Schwarzbär kann man essen. Flugs werden die Pfoten mit einem Seil zusammen gebunden und der Bär runter zum Wasser gezogen, an meinem Zelt vorbei. Vorbei? Nicht ganz. Bevor ich richtig registriere, was passiert, ziehen wir den Kadaver über die Sturmleinen meines Zeltes, Blut bleibt zurück. Aber es ist keine Zeit für so einen Firlefanz, wir sind schon am Fluß. auf einer Plane hieven wir den Kadaver ins Boot und fahren raus. Hat jemand ein Messer? Ja klar, ich reiche Tom das Puma-Jagdmesser, das ich mal von meinem Vater bekommen habe. Schon ist der Bauch fein säuberlich aufgeschlitzt und die Eingeweide werden versenkt, dann fahren wir zurück.

Wieder an Land, schaue ich nachdenklich auf mein Zelt. An meinen Händen, da klebt Bärenblut.

Little Bernd at the bridge

Moment mal… Bacon-Cheeseburger?
An der Brücke ist das sog. Yukon-River Camp. Es ist Tankstelle, Motel und Schnellrestaurant in einem. Das vorletzte am Dalton Highway nordwärts Richtung Prudhoe Bay (Deadhorse) am Nordmeer. Trucks machen hier halt, und auch unfassbar viele Reisende für eine kurze Pause und ein schnelles Essen. Ein Paradies ist das hier aber wahrlich nicht. Der Dalton Highway ist eine Schotterpiste, so auch der Vorplatz vor dem „Camp“, das eigentlich nur eine Ansammlung von aneinandergereihten Containern auf der nordwestlichen Seite der Brücke ist, und im Winter wird es sogar geschlossen, wie ich erzählt bekomme. Wenn es regnet, ist es schlammig – wenn nicht, unfassbar staubig. Am Anfang des Vorplatzes hat eine Frau eine kleine Bretterbude, in der sie selbstgefertigte Andenken verkauft, und auf der anderen, östlichen Seite ist eine etwas größere Bude, in der so etwas wie ein Ranger sitzt – es gibt hier Infos über Flora und Fauna am Yukon und entlang des Dalton Highways. Rund um den Anleger auf der nordwestlichen Seite der Brücke stehen unglaublich viele PickUps und Anhänger – jeder in Alaska scheint hier sein Boot zu Wasser zu lassen. Insgesamt ist hier also quasi die Hölle los.

Hitch-Hikers Guide to Alaska
Was also tun mit der Isomatte? Vor Ort scheint niemand zufällig eine zu haben. Nach ein paar Telefonaten wird mir nerneut klar, wie schwierig das hier oben eigentlich ist. Es hilft nur eins: Per Anhalter nach Fairbanks. Aber von den wenigen, die nach Süden fahren, hält niemand an. Ich werde nervös, denn morgen ist der 4. Juli – Nationalfiertag. Da hat der Outdoorladen sicher auch nicht auf und dann verliere ich ja satte 3 Tage wegen einer Isomatte. Ein Telefonat später kehre ich aber beruhigt zu meinem Daumen-Raushalte-Punkt zurück und werde – natürlich – sofort mitgenommen. Ein RV (Wohnmobil) hält an und die beiden Freunde Bill und Chris, die sich vor Jahrzehnten auf dem Apalachian-Trail kennengelernt haben, nehmen mich mit. „Du sahst so aus wie wir damals, da mussten wir Dich mitnehmen“. Chris ist Professor an der Uni in Washington DC. Zufälle gibts…
Wir kommen sogar noch pünktlich vor Ladenschluss in Fairbanks an, ich kann alles besorgen. Für einen Hitch zurück ist es mir aber zu spät und ich kehre wieder in Billie’s Backpacker Hostel ein, Billie’s Sohn Franky (Billie ist übrigens eine Frau) bringt mich den nächsten morgen auch zu einer günstigen Stelle zum hitchen zurück zur Brücke. Das stellt sich dieses mal aber als überaus kompliziert heraus. Erst nimmt mich jemand ein paar Kilometer bis nach Fox weiter, dort ist eindeutiger, wer wirklich Richtung Norden will. Von dort nehmen mich Karl und seine Tochter mit, die nach Manly Hot Springs wollen, um dort Freunde von einer Kanutour abzuholen. An dem Abzweig lässt er mich raus – wer hier nach Norden will, will auch zur Brücke. „I dont’t have my raingear with me!“ sagte ich beim Einsteigen und bekam ein „No Problem, there’s shelter. I know the place.“ zur Antwort. Als wir jetzt aber tatsächlich da sind… nix mit Shelter, und am Himmel überall tiefgraue Wolken. Es ist Karl sichtlich unangenehm, aber schließlich sagt er „Hey, I am sure someone will pick you up immediately. Otherwise… You know, I’ll be back in a couple of hours and I could bring you back to town.“ Einen Augenblick später stehe ich mitten im… nichts. Ich gucke Karls langsam verschwindendem Wagen hinterher. Als es von irgendwoher grummelt, anfängt zu nieseln und ich merke, dass ich nicht weiß, wo ich das Bärenspray gelassen habe, überkommt mich das ungute Gefühl, gerade etwas sehr, SEHR Dummes gemacht zu haben.

Zwiebelringe mit Honig
Gefühlte drei Stunden später sitze ich schön im warmen Pick-Up von Yuri, einem estonischen Soldaten. Passiert ist bis dahin nichts. Es sind vielleicht zehn, zwölf Autos vorbeigekommen – soviel zu „immediately“ 🙂 Aber eben auch kein Unwetter. Fünf Minuten später öffnen sich dann aber die Himmelspforten mit aller Gewalt. Noch mal Glück gehabt… Wieder an der Brücke sehe ich nicht ganz überraschend das Zelt von Denis an der Rangerstation. Wir essen abends zusammen und unterhalten uns ziemlich lange. Denis bestellt Zwiebelringe mit Honig. Etwas, das ich im Leben nicht ausprobiert hätte, aber nun ganz hervorragend finde. Er ist 54 und hat vor drei Monaten seinen Job in der kanadischen IT-/Versicherungs-Branche an den Nagel gehängt. Dazu hat er sich vor weiteren zwei Jahren von seiner Lebensgefährtin getrennt, hat alles Mögliche verkauft ist – um Geld anzusparen – in eine kleine Wohnung gezogen, die nah an seiner Arbeit war. Er will jetzt nur noch reisen. Ausrüstung, Geld, Stauraum hat er überall in der Welt auf Freunde aufgeteilt. „Then it is time to remeber your friends.“ Wie sein Umfeld das denn so aufgenommen habe, will ich wissen. „Then it is time when you realize who is truly your friend.“, bekomme ich die mittlerweile für mich relativ vorhersehbare Antwort. Die Frau eines Freundes habe ihm sogar den Umgang mit selbigen verboten, damit er diesem keine „Flausen“ in den Kopf setzen kann. Ich frage mich im Stillen, ob dass denn funktioniert und ob das ein erstrebenswerter Umgang miteinander innerhalb einer Beziehung ist. Ich komme für mich zu einem eindeutigen Nein. Gegen 20 Uhr verabscheiden wir uns und verkriechen uns noch in unsere Zelte – wir brauchen noch etwas Ruhe, bevor es weitergeht. Ich kann aber nicht schlafen, wohl auch wegen des verqueren Nacht-/Tag-Rythmusses aus den Flats. Und auch, weil sich das Wetter so unklar zeigt. Wenn das morgen richtig schlecht ist, kann ich nicht paddeln und dann habe ich hier richtig Zeit verplempert. Nachdem ich mir eine gefühlte Ewigkeit so selbst auf die Nerven gegangen bin, packe ich schließlich alles ein und verschwinde von der Brücke. Heimlich in der Nacht Richtung Westen.

The little man and the bridge

As the little man approaches the bridge,
the people asked him: „North or south?“
„West“, he told’em.
But people wouldn’t listen.
People knew better.
The bridge can only be crossed north or south.

When the little man passes underneath the bridge towards west,
people are still heading north or south.

Once again: Die Yukon-Flats

Typisch alaskanisch verzögerte sich die Abfahrt am Samstag noch. Das Kanu, an dem ich noch eine Spritzdecke installieren ließ, war nämlich noch nicht fertig. Ich wurde langsam etwas nervös – besonders große Sorge hatte ich, eine windige Ausgangslage vorzufinden. Erst gegen 22 Uhr kamen wir in Circle an – Windstille. Und noch bevor ich sentimental oder zögerlich werden konnte, paddelte ich sofort los. Meine Kraft reichte aber verständlicherweise nicht besonders lange und so gegen 4 Uhr nachts legte ich dann an irgendeiner Insel an, kroch sofort ins Zelt. Auch am Morgen erwartete mich Windstille, die ich natürlich sofort weiter ausnutzte. Ich paddelte unter strahlend blauem Himmel. Unglaublich. Nur am frühen Nachmittag dräute von Westen her eine Gewitterwolke. Als es das erste mal grummelte, gab ich nach, legte an und wollte das Spektakel abwarten. Doch erst mal passierte nichts. Trotzdem wollte ich deswegen nicht gleich das Zelt wieder abbrechen, nur um dann böse überrascht zu werden. Blöderweise konnte man es im Zelt nicht aushalten vor Wärme, also legte ich mich einfach ans Ufer ein wenig in den Schatten. Mücken waren Gott sei Dank noch nicht unterwegs und ich schlummerte friedlich. Sand fegte plötzlich durch mein Gesicht, das Zelt wackelte – jetzt ging es doch los. Schnell alles verstaut und ab ins Zelt, Schotten dicht. Draußen war die Hölle los.

Geschichte wiederholt sich?
Peng! Knallte es. Häh? Nochmal: Peng! Es dauerte etwas, bis ich bemerkte: Durch meine offenabr höchst elegante Einstiegsaktion ins Zelt hatte ich es geschafft, meine Isomatte zu sprengen. Aber nicht komplett, sondern nur die Befestigungen im Inneren, so dass jetzt eine riesige Beule darin war. Oh man…das kann doch nicht wahr sein! Wenn ich mich schräg drauf lege geht das ja noch, aber das wird doch nicht besser? Egal. Ich schlafe erst mal. Aber es wurde draußen nicht besser. Das große Gewitter war zwar schnell vorbei, aber der Wind blieb. Also Warten. Das kannte ich ja schon…? Aber auch die damit verbundene schlechte Laune. Boa. Noch keine 2 Tage gepaddelt und schon sowas. Ich könnte kotzen. Gleiche Stelle (nee, noch früher), ähnlicher Mist. Warum zur Hölle musste ich das nochmal weitermachen? Es nützte alles nichts. Schlafen. Gucken. Weiterschlafen. Das ging dann auch den Montag so, meine Laune wurde nicht besser. Ich beschloss, in der Nacht zu paddeln, wenn es dann besser wäre. Und tatsächlich, das wurde es. Gegen 23 Uhr packte ich alles zusammen und paddelte durch eine unfassbar schöne Nacht und erreichte am Ende gegen 07.30 sogar – völlig erschöpft – Fort Yukon!

Kanu-Prominenz
Am Anleger erwartete mich eine Überraschung. Wolfang Schwarzer – den Kanuten wird dieser Name sicher etwas sagen – beendete zusammen mit seinen drei Reisegefährten hier seine Tour. Die Welt ist klein.
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Nach dem fälligen Schwätzchen und ein paar Fotos machte ich mich auf zu Ginny, dort wollte ich doch wenigstens Hallo sagen und Grüße von Thommy, Franky und Ralph bestellen. Eine Dusche und Wäsche machen gabs da natürlich auch, und ein ordentliches Nickerchen. Bei Daghos Haus am Fluss (Ginnys Sohn) konnte ich das Kanu parken und zelten. Schnell das zweite Nickerchen im Zelt gemacht, abend gegessen, mit Birgit geskypt und dann war es auch schon 10 Uhr abends – Zeit zum Aufbrechen, denn das Nachtpaddeln wollte ich beibehalten. Offenbar hat mich der Tag bzw. die Nacht vorher aber ziemlich erschöpft, so dass ich relativ früh eine schöne Insel ansteuerte, um Camp zu machen. Kurz vorher konnte ich den ersten freilebenden Wolf meines Lebens sehen – leider hatte ich das falsche Objektiv drauf und die Zeit zum Tauschen war zu knapp. Auf einem Bild kann man erahnen, dass da ein Wolf stehen muss. 🙂
Das Problem an dem Nachtpaddeln ist, dass man tagsüber schlafen muss. Da knallt aber die Sonne aufs Zelt und es wird unerträglich warm. Also aufgepasst, wo man das Zelt aufschlägt. In der nächsten Nacht schaffe ich es bis nach Beaver, einem klitzekleinen Örtchen in den Flats. Um 6 Uhr morgens versank ich fast im Schlamm am Ufer, und schaute mich dann um. Mir wurde schnell klar, hier nicht das Zelt aufzuschlagen. Generatoren liefen, kein geschützter Platz – ich verließ das Dorf wieder und zelte einfach auf der Insel gegenüber. Tagsüber, erholte ich zum Schutz vor der Sonne unterm Kanu im Schatten. Die Erschöpfung im Kopf machte sich bemerkbar, denn mir war irgendwie zum Heulen zumute. „Was tue ich mir hier eigentlich an? Der Fluss wird immer größer und nur mit solchen Verrenkungen funktioniert das? Ewig kann ich nicht durch die Nacht paddeln, denn irgendwann wirds auch wieder dunkel.“ Ich schlief aber unterm Kanu ein und die unproduktiven Gedanken verschwanden damit auch. Ein paar Überraschungen erwarteten mich in der folgenden Nacht: Erst dräute ein Gewitter, so dass ich schon anlegte und im strömenden Regen das Zelt aufbaute, dann verzog es sich wieder. Pah. Ich paddelte weiter.

Denis
Wieder gegen 6 oder 7 Uhr erreiche ich das Ziel, das ich mir vorher ausgeguckt hatte. Dort steht aber schon ein Zelt. Und Zeugs liegt am Ufer. Aber kein Boot? Ist hier etwa ein Unglück passiert? Ich will doch nur schlafen… Ich mache mich auf zum Zelt und rufe. Nach einiger Zeit kommt tatsächlich ein Kopf zum Vorschein. Es ist der Kanadier Denis Morin. Er schwimmt (!) den Fluss runter… Deswegen auch kein Boot. und das Zeugs am Ufer waren seine Ausrüstungs-Bojen(Floße?). Ich will ihn aber nicht lange stören und baue mein Zelt ein bißchen entfernt auf. Natürlich revanchiert er sich des Morgens für das Stören, als er sich verabschiedet. Ich schieße noch schnell ein paar Fotos von dieser für mich noch sehr skurrilen Situation (Denis beim Einsteigen ins Wasser – Neopren, Riverboard und Schwimmflossen), dann verkrieche ich mich wieder. Mistwetter.
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Denis erzählte auch, dass er das Gewitter letzte Nacht volle Rohr abbekommen hätte. Ich bin jedoch überglücklich, dass es schlechtes Wetter hat – es regnet den ganzen Tag. Das heißt für mich: Endlich lange im Zelt schlafen können! Natürlich werde ich etwas nervös, als es so gar nicht aufhören will, aber gegen 23 Uhr hört es doch auf, so dasss ich mich traue, etwas zu kochen und dann gegen 1 Uhr nachts weiterzupaddeln. Ich könnte sogar die Brücke erreichen. ich paddle und padddle also, lasse ds Dorf Stevens Village am Morgen neben mir liegen und bilde mir dann ein, gegen 11 Uhr an der „Brücke“ sein zu können (die Brücke ist die letzte Straßenanbindung des Yukon – siehe auch Eintrag „Little Bernd at the Bridge“). Ganz kurz machen sich ganz absurde Gedanken breit: Ich könnte ja noch Teile vom Viertelfinale gegen Italien sehen… das zerschlägt sich aber alles, als die Flats nach Stevens Village tatsächlich zu Ende sind und ich einsehen muss, dass der Fluss hier einfach nicht genug Strömung hat. Es zieht sich alles furchtbar in die Länge – Kauuuuuuuugummmmiiiiiii. Das ich natürlich schon die ganze Nacht durchgepaddelt bin, macht es nicht besser. Trotzdem schaffe ich es zur Brücke – ca. gegen 15 Uhr lege ich am Anleger an. Total kaputt. Jetzt schnell Birgit angerufen. Hatte ich sie doch gebeten, mit Hilfe meiner Kontakte eine neue Isomatte zu Brücke zukommen zu lassen. Leider hat das nicht funktioniert und ich versuche, mir etwas anderes einfallen zu lassen. Ich merke aber sehr schnell, dass ich sowohl Dünnpfiff denke als auch rede – die Erschöpfung macht sich mehr als bemerkbar – und verschiebe das nach einer sündhaft teueren Dusche und einem Bacon-Cheeseburger auf morgen. Erstmal schlafen.

Paddelbilanz
415 km in 7 Tagen (26.06. bis 02.07.), davon 1 Tag Schlechtwetter-Warten.
Schweres Navigieren? Hm. Bis Fort Yukon ließ ich das Boot treiben, wenn es unklar wurde. So konnte ich erkennen, wo die Hauptströmung lag. Funktionierte hervorragend. Fast zwangsläufig trieb es mich an gewissen Stellen entlang, die ich sogar wiedererkannte. Ab Fort Yukon nutze ich zusätzlich eine Karte, die mir Teilnehmer des Yukon1000-Rennens gegeben hatten (kennengelernt in Dawson vor zwei Jahren). Die Wasserflächen werden ab Fort Yukon größer, so dass man schon recht weit vom Ufer entfernt sein muss, um das Treiben-lassen konsequent fortzuführen. Ich habe die Karten benutzt und es hat funktioniert. Das Anstrengendste war vermutlich der verquere Tag-Nacht-Rythmus, den ich kurz nach dem Verdauen des Jetlags auf mich genommen habe, und die immer größer und langatmiger werdenden Abschnitte. Highlight war natürlich der Wolf! (Fast in der Mitte, zwischen Kiesbank und Treibholz…)
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