Im Kanu auf dem Yukon

Von den Quellseen bis zur Beringsee

Beiträge von yukonbernd

Yistletaw und Dosenbier

Der Wind flaute während der Nacht dann doch ab, so dass es am Morgen nur noch leicht windig war. Wobei er sogar gedreht hatte – Rückenwind! Nach ein paar Regenschauern und Schwätzchen mit Jake konnte ich loslegen. Das mulmige Gefühl verschwand nach den ersten Paddelschlägen und ich erinnerte mich selbst daran, dass ich direkt in der zweiten Kurve eine Abkürzung ausprobieren wollte: Einerseits um Strecke zu sparen, andererseits um ein Feeling für Querungen zu bekommen. Denn die Querungen, die ich das letzte Mal tunlichst vermieden habe, wollte ich diesmal möglichst früh austesten. Ihnen würde ich zwei bis vier mal auf gar keinen Fall aus dem Weg gehen können. Besser, wenn ich das dann schon kenne. Ich nahm Kurs auf den Kanal zwischen dem Inselverbund Hen- und Jimmy Island und Cook Island, anstatt direkt aufs Ganze zu gehen und den Jimmy Slough auf der linken Flussuferseite zu nehmen. (Achtung Anleitung: Ich verwende die Bezeichnungen aus der USGS-Karte „Nulato“ im Maßstab 1:250.000; zu finden, wenn man auf der Seite usgs.gov die Rubriken „Products“, „Maps“ dann „USGS Store“ und dort „All Products“ und anschließend die Suchfunktion mit den entsprechenden Parametern verwendet.) Denn ich hatte noch zu viel Respekt vor dem Wort „Slough“ auf den Karten, waren Sloughs im Allgemeinen doch in anderen Reisebeschreibungen als versandende dead-ends beschrieben worden. Aber das Gegenteil ist der Fall – warum wird ein Seitenkanal sonst wohl als xyz-Slough auf einer 1:250.000-Karte herausgestellt? Aber wie fast immer im Leben lernt man ja nur aus eigenen Fehlern… versandet bin ich nämlich fast zwischen diesen Inseln. 🙂 Aber alles ging in Summe gut – die Fast-Querung machte mir Mut für das, was da noch kommen sollte. Kurz vor „Yistletaw“ (auch „Bishop Rock“ genannt genannt, weil hier 1886 ein Bishop ermordet worden war) frischte es auf und dunkelste Wolken zogen auf. Ich hielt also schnell am dortigen Fishcamp an, ein paar Motorboote lagen am Ufer und zeugten von menschlicher Anwesenheit. Ich schaffte es gerade noch, die Regenklamotten anzuziehen, als die Bindfäden von Himmel kamen. Hölle. Der Trampelpfad führte hinauf in eine Ansammlung von Hütten. Dort nahmen mich Frank und Marca, beide über 80, in Empfang und luden mich in ihre Blockhütte ein. Drinnen schliefen die Enkel und es gab Kaffee und Pilot Bread mit Nutella-Äquivalent und Marmelade. Obwohl sie hier den Sommer über zum Fischen waren, gab es noch keinen, denn der King Salmon war erst seit heute und nur für 24 Stunden frei. Der King Salmon wird am Yukon mittlerweile nur noch zu bestimmten Zeiten zum Fang freigegeben. Angesichts der weltweiten Überfischung verständlich. Was im Ozean gefungen wurde, kann nicht mehr zur Laichzeit heraufschwimmen und hier gefangen werden. Und wenn das, was noch heraufschwimmt, dann alles hier gefangen wird, kommen demnächst auch keine Lachse mehr aus dem Fluss in den Ozean… Die Leidtragenden sind wie immer die, die am wenigsten Anteil am Raubbau haben – hier z.B. Frank und Marca. In ihren Erzählungen war bemerkenswerterweise jedoch kein Groll zu hören. Als sich das Unwetter nach ca. eineinhalb Stunden sicher verzogen hatte, machte ich mich wieder auf zum Boot. Während ich das Wasser mit einem alten halbierten milchkanister aus dem Boot schaufelte, kam mir die Ewigkeit, die ich beim Fast-Versanden zwischen den Inseln mit dem Stechpaddel gebraucht hatte, in den Sinn. Warum benutzte ich eigentlich das Doppelpaddel nicht? Flugs montierte ich das Doppelpaddel und es sollte sich auszahlen: Ich konnte mehr Geschwindigkeit machen – schnell näherte ich mich Koyukuk Island, die wie ein Pfropf in der Einmündung des Koyukuk River, des letzten großen Zuflusses des Yukons liegt. Auch hier hatte ich zuvor großen Respekt – würden mich jeweils beide Zweige des Koyukuks mit ihrer Eigenströmung weit in die Mitte des Yukons spülen? Das sollte sich als harmlos herausstellen. Womit ich jedoch nicht gerechnet hatte, war die Strömung an der Yukon-seitigen Abbruchkante von Koyukuk Island. Die Strömung des Yukon war hier sehr groß, und wegen der vermutlich unter Wasser liegenden Hindernisse (eingebrochene Bäume) war das Wasser sehr unruhig. (Auf diese Konstellation sollte ich noch häufiger stoßen.) Passend dazu kam erst ein kräftiger Schauer und danach Gegenwind auf, der das Wasser nicht einfacher zu fahren machte.  Als ich dann endlich den zweiten Einfluss des Koyukuk erreichte, war ich extrem erschöpt und freute mich tierisch darüber, dass das Dörfchen Koyukuk ja von hier aus ca. 1,5 km flussaufwärts (!) des Koyukuk lag. Aber, es ging alles. Nach insgesamt neun bis zehn Stunden erreichte ich Koyukuk und hatte alle Ausrüstungsideen ausprobiert. Ein guter Tag. Zum krönenden Abschluss hatten die Dorfbwohner oben an der Anlegestelle Sofas mit allerfeinstem Ausblick aufgestellt!

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Koyukuk: Es könnte schlechter sein – unten das Kanu, oben die Sofas!

 

Last Chance – Motorboot und Dosenbier
Koyukuk selbst ist ein außerordentlich kleines Dorf – keine hundert Einwohner zählt es noch und ist sehr weitläufig. Gesprochen habe ich nur mit einem einzigen Einwohner. Gesehen noch zwei andere. Hören konnte man allerdings die Dorfjugend, die auf den Quads fließig herumrasten 🙂

Etwas geplättet stieg ich den nächsten Tag wieder ins Kanu. rechte Hand passierte ich Last Chance, den letzten „Laden“ (eine zurückgesetzte Blockhütte abseits von Koyukuk mit eigener Anlegestelle), in dem man Bier und andere alkoholhaltige Getränke kaufen konnte. (Flussabwärts von hier ist das Vertreiben/Besitzen von von Alkohol streng verboten.) Kurz vor Nulato und in Nulato selbst machte ich eine kurze Pause, wollte aber noch etwas weiter Richtung Kaltag. Das erste Fishwheel sah ich am Rand, kurz vor einem Kehrwasser. Die Dinger fangen Lachse von allein, differenzieren aber natürlich nicht nach Lachssorte. Wie das dann funktioniert, durfte ich später lernen. An der Stelle „Benedum Landing“ war ein Camp aufgebaut, ich machte Halt. Doch der Mann dort machte mir keine Hoffnungen, in der Nähe seiner Campstelle zu zelten. Gestern sei ein riesiger Grizzly in sein Camp rein, und er musste ihn mit ein paar Schüssen verscheuchen. Ich solle besser eine Insel nehmen, die er mir auf der Karte zu zeigen versuchte. Dort wären keine Bären, keine Mücken (die waren hier tatsächlich furchtbar) und er wolle mir später noch einen lachs vorbeibringen. Nun gut, dachte ich und paddelte weiter. Ungefähr 2 Meilen später, ich nahm einen geschützten Kanal zwischen dem rechten Flussufer und einer Insel, kam von hinten ganz langsam ein Motorboot heran. Der Fahrer Garrett hatte offensichtlich Redebedarf, denn er fuhr parallel zu mir, horchte mich etwas aus und warf mir eine Dose Bier und getrocknete Streifen aus Elchfleisch herüber. Das Leben am Fluß könnte schlechter sein, denn das gab es 2014 und 2016 nicht, fuhr mir durch den Kopf. Garrett zog um nach Holy Cross und wollte auf dem Weg seinen Bruder in Kaltag besuchen. Eine weitere Bierdose später banden wir mein Kanu mit der Leine an seinem Boot fest und ich fuhr mit ihm mit. Noch eine Bierdose später wurde mir klar, dass das reichlich bescheuert ist, was hier passiert. Ich war total ausgepowert, kippte mir Dosenbier rein und wollte danach noch irgendwas auf die Kette kriegen? Und das Kanu fing im Zug von Garretts Boot keineswegs geradeaus, sondern driftete immer von links nach rechts und neigte sich beim Kurswechsel jeweils bedrohlich. Da Garrett immer mutiger (d.h. schneller) wurde, fürchtete ich schon, das Kanu würde irgendwann kentern. Mir schien es am klügsten, die Sache etwas anders zu lösen und opferte den mir in Aussicht gestellten King Salmon: Da Garrett ja ohnehin nach Kaltag wollte, bat ich ihn, mich dann doch direkt nach Kaltag mitzunehmen – nur mussten wir dazu das Kanu auf sein Boot hiefen, damit das gefährliche Schleppen aufhörte. Gesagt – getan! Mit einem 5 Meter langen Kanu quer zur Fahrtrichtung brausten wir nun bei einer weiteren Bierdose über den Yukon! Völlig kaputt erreichten wir gegen 11 Uhr nachts Kaltag, wo wir tatsächlich noch Garretts Bruder besuchten (es gab etwas zu essen). Um 1 Uhr nachts lag ich dann endlich im Zelt und ein klitzekleines schlechtes Gewissen machte sich breit: Am zweiten Tag „geschummelt“? Durch das Mitfahren im Motorboot hatte ich mir ca. 15-20 Meilen gespart – ein halber bis ganzer Paddeltag. Aber ich verscheuchte das Gewissen schnell wieder. Der zusätzliche Puffer würde mir an anderer Stelle sicher helfen.

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Kaltag: Zeltplatz

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Kaltag: Blick den Yukon hinauf

Bilderstrecke zu „… and I try again and again…“

 

… and I try again and again…

Nicht Kunst und Wissenschaft allein, Geduld will bei dem Werke sein. Ein stiller Geist ist jahrelang geschäftig, die Zeit erst macht die lange Gärung kräftig.  (Mephistopheles in Goethes Faust, der Tragödie erster Teil)

Zumindest habe ich bei den ersten beiden Anläufen etwas gelernt. Die Vorbereitungen liefen einigermaßen koordiniert ab, die möglichen Tagesetappen waren eingeteilt, die Dörfer entlang des Flusses auswendig gelernt, die USGS-Karten um aktuellere Infos aus Satellitenbildern angereichert, ein vierteiliges Doppelpaddel und ein variabel zu positionierender Sitz nebst Kniematte zierten meine Ausrüstung. Nur mein Kanu Nobody, auf das Mike ja die letzten zwei Jahr aufpassen wollte, das hatte ich noch nicht dort, wo ich das letzte mal aufgehört hatte. Ausgeheckt hatte ich, dass Mike das Kanu weit vor meiner Ankunft von Fairbanks zur Barge nach Nenana bringen könnte, die es nach Galena bringt – wo Jake the Russian (Nobody ist die Größte) dann darauf aufpasst, bis ich da bin. Die Flüge waren lange gebucht, als ich Mike Ende Mai endlich erreichte 🙂 Er freute sich, dass er mir helfen konnte.

Kurzer Abriss. Fairbanks. Galena.
Noch vor Abflug am Donnerstag, den 05. Juli vermeldete Jake, dass das Kanu wohlbehalten und bereits mit Teilen der Ausrüstung versehen (der liebe Mike…) in Galena angekommen war. Ein Zeitfenster von 5 1/2 Wochen hatte ich mir freigeschaufelt, und planmäßig starten wollte ich am folgenden Sonntag oder Montag (08. oder 09. Juli). Bis zum Weiterflug nach Galena zeltete ich bei Billie’s Backpacker Hostel im Garten („You have been here before?!“). Mike spielte netterweise den Chauffeur für meine Besorgungen, z.B. (Achtung Anleitung!) Versenden der Hälfte meines in Fairbanks eingekauften Proviants als Voraus-Paket zum Abholen im Örtchen Holy Cross (das nennt man bei der US-Post USPS „general delivery“) oder auch das Vorab-Aufgeben einer bereits gepackten wasserdichten Tonnne per Flugzeug nach Galena. Um den Jetlag besser zu verdauen und auch noch eine kleine Tour mit Mikes Bruder Pat und Garry (ein Freund der beiden) zu unternehmen entschied ich mich, erst am Montag den 09. Juli zu starten und flog dementsprechend erst am Sonntag nach Galena. Dort nahm mich Jake herzlich in Empfang. Ich staunte nicht schlecht, als mir Jake erstens seine Freundin Beth vorstellte und ich zweitens Jakes neue Hütte sah – er schläft nicht mehr in dem alten aufgebockten Boot! Er hatte sogar eine kleine Beistellhütte gebaut, in der ich die Nacht verbringen konnte. Ansonsten war bei Jake alles beim alten. Jakes Platz ist ein Taubenschlag: Freunde und Bekannte kommen und plaudern und plaudern. Ich musste mich zwischendurch aktiv aus den Plaudereien rausziehen, um die Taschen und Tonnen zu packen und den Sitz im Boot zu fixieren 🙂 Später am Abend gab es dann frischen Lachs vom Lagerfeuer. Nur Schlafen konnte später ich nicht: der Arsch lief mir auf Grundeis, denn es hatte begonnen zu stürmen und ich hatte keinen Plan, wann das wohl wieder aufhörte. Top Start, dachte ich. Läuft bei mir…

 

 

Yeehaw!

Klammheimlich habe ich dieses Jahr den dritten Versuch gewagt. Und nach 18 1/2 Tourtagen und 830 Kilometern erreichte ich tatsächlich am 27.07. den Ort Emmonak direkt an der Mündung des Yukon in die Beringsee! Yeeeehaw!

Geschichten von unterwegs folgen bald 🙂

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The streets of Emmonak

Mittlerweile überraschte mich fast nichts mehr. Ich traf Denis den Schwimmer wieder in Galena – er war schon vor mir eingetroffen. Er war das Stück von Ruby bis Galena durchgeschwommen (!) und erholte sich hier, machte ein paar Tage Pause. Ich verabschiedete ihn einen Tag später. Als ich ihn in seinem Neoprenanzug in den „Fluten“ Ferne verschwinden sah (es war immer noch stark windig – paddeln wäre keine gute Idee geswesen), fragte ich mich, ob ich ihn wohl wiedersehen würde. Dabei wurde mir auch klar, was ich jetzt machen würde. Ich muss das Boot irgendwie behalten und gucke mir auf jeden Fall noch das vermeintliche Ende an, dachte ich mir. Emmonak, einer der Orte im Mündungsdelta des Yukon. Einmal dagewesen sein und schon mal Infos sammeln.

Barge – Rubymarine
Das Boot behalten zu können stellte sich als erstaunlich einfach heraus: Einen Tag später Tag sollte nämlich eine Barge hier vorbeikommen, flussaufwärts. Diese würde dann weiterfahren bis Nenana, einem kleinen Örtchen am Tanana River, nicht weit weg von Fairbanks. Ich könnte das Boot vlt. mit Mike dort abholen, dachte ich mir und organisierte alles – Jake half mir dabei. Ich sortierte meine Ausrüstung und lud das Boot mitsamt der nicht mehr benötigten Ausrüstung auf eine Palette – fertig. Und das alles für einen Spottpreis – die Fahrten flussaufwärts haben einen anderen Kurs $ pro Pfund (lb) als flussabwärts – keine 100 $. Nur der Flug stellte sich als ganz schön kompliziert raus. Der ging nur über Galena – Fairbanks – Anchorage (mit Übernachtung) – St. Marys – Emmonak. „Alter. Dieser Flug ist mit Abstand fast die unsinnigste Investition Deines Lebens“, dachte ich mir. „Prima – wann geht’s los?“, tönte es aus einer anderen Ecke in meinem Kopf.

How to say Goodbye. Or not.
Jake brachte mich in seinem Truck – ein Wunder, dass der noch lief – zum Flughafen. „Fuck. I did’t say goodbye to the Yukon.“ fiel es mir ein. Jake guckte mich an. „Well. I will tell you something. When the white people first came here, and met the natives here, and they tried to talk with each other – and even today it is the same… well… they act and behave differently. What do the white guys say about the natives? „They don’t tell anything. They even don’t say Hello or Goodbye, just come and sit or stand up and go.“ And the white people are wondering afterwards: „Did we do something wrong? What is wrong with us or them? Why dont‘ they say anything?“ And, the other way round. What do the natives think or say about the newcomers? „The white guys are always talking. Always about themselves, always the similar things which are always obviuos to everybody. If somebody stands up and leaves – everybody sees that the one guy is leaving. Why talking about that?“ Mir drehte sich der Kopf. „Jake… what are you trying to tell me?“ – „Well, Bernd. It is just,… if you are leaving without saying Goodbye… you act like somebody from here – everything ist fine?“ Ich musste etwas schlucken, umarmte Jake und stieg aus dem Auto.

Jake (links) und ein Freund

Jake (links) und ein Freund

Kaltag
„This is Andy, your pilot to Fairbanks“ stellte man mich offenbar meinem Piloten nach Fairbanks persönlich vor. „We are a little bit late and firstly, I have to fly to Kaltag. You can join me if you like. You look somewhat bored. Afterwards I will bring you to Fairbanks.“ Lange überlegt habe ich nicht…
Das Wetter war beschissen. „Wie jetzt? In das Ding soll ich einsteigen? Das wackelt ja jetzt schon!“ dachte ich mir. „Come on, what are you waiting for? You’re only gettin‘ wet!“ sprach’s aus des Piloten Mund und zog mich hinterher. Der Flug war tatsächlich relativ harmlos, wir flogen die meiste Zeit antlang des Yukon. „Gut, dass ich jetzt nicht auf dem Wasser bin. Heilige Scheiße, was für ein bekacktes Wetter da unten. Wellen und Wind, Wind und Wellen… und das geht schon seit vier Tagen so.“ (Anm.: es war aktuell der 17.07.) Es war trotz allem Atemberaubend. Ich spekulierte darauf, ob ich Denis nicht irgendwo dort unten schwimmen sah, aber ich fand ihn natürlich nicht. In Kaltag stiegen ein paar Leute zu und die Rückbänke – bis dahin voll beladen mit Waren für den örtlichen Laden – wurden geräumt. Wir landeten nur kurz in Galena und flogen direkt weiter nach Fairbanks. Dort war Ende mit den feinen Buschfliegern. Erst ab Anchorage ging es mit diesen Maschinen wieder weiter, am nächsten Tag bis nach St. Marys und dann – endlich – nach Emmonak.

The streets of Emmonak
Das Wetter war auch heute fürn Eimer. Wenigstens regnete es nicht, als ich aus dem Flieger ausstieg und völlig verloren auf einer Schotterpiste stand. Die paar Begleiter, die ich hatte, verdünnisierten sich alle schnell oder wurden abgeholt… keiner hatte Platz, mich bis zum „Ort“ mitzunehmen. War auch nicht so schlimm, ist ja nicht weit, dachte ich… wars auch nicht. Ich versteckte meinen wasserdichten Packsack in einem unbeobachteten Moment in einem Busch am Yukon. Jetzt fing es auch an zu regnen. „Zaunpfahl oder was soll das jetzt?“ dachte ich mir. Gegenüber war eine relativ große Insel, große Wellen waren sogar auf dem schmalen Kanal hier. Aber im Gegensatz zu den Dörfern weiter oben am Fluß fuhren die Fischer fleißig raus, denen war der Wellengang offenbar egal. Das Wetter muss hier wohl häufiger so sein, reimte ich mir daraus zusammen. Ich hatte keine Unterkunft und es regnete… flugs beim Postamt nachgefragt (Emmonak hat ca. 800 Einwohner – es gibt ein Postamt), von dort zur „Verwaltung“, dort könne Schlüssel für ein Zimmer im Hotel bekommen. „Was, ein Hotel? Hier???“ Ja. Aber das war natürlich voll. Aber ich soll mal nach einem Jack in der Fischfabrik fragen. Der wäre sehr nett. Also wieder raus. Die Fabrik war natürlich quasi am Ende des Flughafens, das hätte ich auch einfacher haben können, war ja klar. An der Fischfabrik wurde ich erst nur sehr misstrauisch aufgenommen – viele Teenager beäugten mich, als sei ich ein Außerirdischer. War ich ja auch fast. Der Jack empfing mich jedenfalls herzlich und dann waren auch die anderen entspannt. Er gab mir ein Zimmer in einer Unterkunft für externe Gäste. Genauer ein Aufenthalts-/Durchgangs-/Wäschezimmer, in dem eine Couch stand. „Ist this ok for you?“ – „Yes!“ . „Listen, dinner is at 6 and tomorrow breakfast at 8. You are welcome to join us!“ – „Jack, what do I have to pay for this?“ – „Oh. No. You are a guest. You are invited. You mad paddling guys – feel free. By the way, where is your boat?“ Mööööp. Da hatte aber einer die Hupe gefunden. „Well, I stopped in Galena, didn’t feel that going on is a good idea. So I cheated a little and took a flight. To say so, … call it scouting for the next time. I have no boat with me.“ eierte ich hervor. „Ahaha. I knew!“ prustete er hervor und schlug mir kräftig auf den Rücken. „You are wise acting like that, don’t feel ashamed. But I will show you something.“ Jack führte mich zu einem Boot, einem grünen Kanu, dass ich aus den Augenwinkeln schon vorher gesehen hatte. „See this one. You want it? A Father and son gave it to me, they have been here two weeks ago.“ Ich schaute mir das Boot an. Es hatte innen eine Widmung, einen Text. „This boat took Peter and Imre Kabai 1933 Miles down the Yukon River in 34 days. She is a safe and fast vessel.“ Mir fiel die Kinnlade nach unten. Imre Kabai… Ja. Der ist Dir doch 2014 shon einmal begegnet, in Fort Selkirk. Damals aber im Kajak. Und Bryan Brown (siehe Eintrag Trottelbuchten, Hobbithöhlen und wer ist hier eigentlich der Boss?) erzählte mir später, das er nach einem nicht so schönen Erlebnis mit einem Bewohner von Grayling damals nicht mehr weiterkonnte (sein Sohn sei damals schon früher ausgestiegen). Und jetzt das hier … die komplette Strecke in 34 Tagen… Jack merkte irgendetwas. „I know this guy. I met him 2014.“, sagte ich. – „And?“ wollte Jack wissen. „Keep trying…“ murmelte ich in meinen Bart. Dann ließ Jack mich allein.
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Nobody ist die Größte

Jake
Um diesen Jake zu finden, paddelte ich zu der Stelle weiter, die die Verkäuferin mir empfohlen hatte. Es war eine ziemlich große, flache Anlegestelle; eine Straße hatte einen Abzweig hier herunter. „Da oben links muss es sein, dort bei dem halb verfallenen Bulli“, dachte ich bei mir. Jake soll sehr rustikal und bescheiden leben, hatte man mir mit auf den Weg gegeben. Ich schlurfte den Abzweig entlang. Rechts ein Bulli, daneben eine Art Dauer-Stand-Zelt mit Werkstatt drin, links eine „Hütte“ aus Zeltplane, daneben ein Holzhaufen. Hmm… Aber weit und breit niemand zu sehen. Ich lief ein paar mal auf und ab, das Paddel über der Schulter. Auf einmal kam eine Gestalt aus dem Bulli, guckte mich an und hob die Arme, als ob ich ein lang ersehnter Gast sei. „Hey, who are you? I am Jake, the Russian. Where is your canoe? Come in [in den Bulli], I will make coffee.“ … und schon saß ich drin, in Jakes Wohnung. Ein wenig sehr rustikal, aber gemütlich. Nachdem geklärt war, wo ich herkomme und was ich hier mache ist schnell klar, dass ich hier auch bleiben und das Zelt aufschlagen kann. Fürs erste verabschiedete ich mich von Jake und baute das Zelt neben der Zeltplanen-Hütte auf. Ich musste nachdenken, denn mir saß etwas schon die ganze Zeit sehr schwer im Magen: Mach ich weiter oder stoppe ich hier – „schon wieder“?

Aufgeben ist keine Alternative – was genau heißt das eigentlich?
Einerseits merkte ich schon seit einiger Zeit sehr deutlich, dass irgendwas nicht stimmte; so richtig Spass machte es irgendwie nicht. Warum, konnte ich mir nur nicht wirklich erklären. Eigentlich liege ich gut in der Zeit. Bis auf die Sache mit der Isomatte ist auch alles hervorragend gelaufen. vielleicht hätte ich einen, höchstens jedoch zwei Tage schneller sein können. Sicher, der Fluss wurde – wenig überraschend – immer größer. Das Naturerlebnis ließ sehr stark nach, im Gegenzug dafür wird alles windanfälliger. Und dabei war die letzten Tage gutes Wetter! Wenn ich jetzt „wieder“ vorzeitig aufhöre… Boah. Habe ich einen Lärm gemacht vorher, schießt es mir in den Kopf. „Aufgeben ist keine Alternative“-Spendenaktion. Acht Wochen freigenommen, den kompletten Jahresurlaub aufgehoben.
„Ist das der Moment, in dem Deine Entschlossenheit auf die Probe gestellt wird?“ fragte ich mich. Und je mehr ich so darüber nachdachte, desto nerviger fand ich das alles. Alles viel zu pathetisch. Wem muss ich denn hier etwas beweisen, was soll das denn? Ich bin hier, damit es Spass macht und Punkt. Soll mir erst mal einer bis hierhin nach- und dann der Rest vormachen. Ich möchte es doch in der Art und Weise vollenden, die mir Spass macht, die zu mir passt. Aufgeben ist keine Alternative – aber was heißt das eigentlich genau? Wann hätte ich denn tatsächlich „aufgegeben“? schoss es mir weiter durch den Kopf und ein paar Momente später wurde mir erlösend klar: „Komme ich halt NOCHMAL nochmal wieder, wieder ein bisschen besser vorbereitet. Soll der Rest der Welt doch denken was er will. Spendenaktion? Ist doch Geld zusammengekommen für eine gute Sache – das ist in keinem Fall verkehrt. Und so traf ich die Entscheidung: Hier ist erstmal Ende und verkrümelte mich dann in die Bar für ein paar verdiente Bier. Ja, eine Bar, die gab es hier tatsächlich!

Nobody
Während des Rumlungerns am Tresen – es gab hier sündhaft teures Dosenbier – fiel mir auf, dass ich mein Boot noch gar nicht getauft hatte. Ich schlug mir innerlich vor die Stirn. Das musste ich schleunigst nachholen. Ist vielleicht auch Motivation, das Boot diesmal zu behalten und nicht zu verscherbeln oder gar liegen zu lassen. „Freiherz II“ war mir zu blöd und was mir sonst so einfiel fand ich auch alles irgendwie zu aufgeblasen. Ich dachte noch ein bisschen nach, mein Blick fiel auf die ganzen Hüte am Eingang der Bar… Ja. Nobody. Das ist es. Ja, das fühlte sich gut an. Wie Karneval, nur ohne blaue Kontaktlinsen 😉
Das Fenster zur Welt
Ein paar Bier und Telefonate später torkelte ich aus dem Schuppen wieder raus, klebte die Buchstaben, die ich schon die ganze Zeit mit mir herum geschleppt hatte ans Boot und legte mich schlafen bis zum nächsten Tag. Als ich wieder aufwachte, wehte starker Wind. Ha – hatte mich meine Ahnung mit dem Wetter nicht im Stich gelassen. Ich unterhielt mich mit Jake, der mir erst einmal Kaffee kochte. Jake nennt sich selbst „The Mad Russian“, weil seine Eltern irgendwann geflohen sind. Er selbst hat immer noch den Status eines Flüchtlings und könnte Amerikaner werden, will das aber nicht – und so hat er bis heute keinen Pass und kann das Land nicht verlassen. Das will er aber gar nicht und ist so glücklich und zufrieden. Während der Unterhaltung sickert irgendwas aus meinem Gedächtnis herab in mein Bewusstsein. Jake. Mad Russian. Hmm. „Jake, do you know some german guy with a canoe made of birch-bark? I think his name is Dirk Rohrbach.“ – „Oh Dirk. Yes of course, I do. But it is at least one year ago he has been here. You put up your tent exactly where he did.“ Oh was ist die Welt doch klein. Dirk Rohrbach ist Autor und – mittlerweile – Filmemacher. Er ist schon den Yukon hinuntergepaddelt in einem Kanu aus Birkenrinde, zuletzt hatte er Jake interviewt für eine 5-teilige Doku über den Yukon – Jake war schon im Fernsehen zu sehen. Unfassbar. 🙂 Der Rohrbach also wieder – wie damals bei Sucker-Bay-Jimmy (siehe Blog-Eintrag Trottelbuchten, Hobbithöhlen und wer ist hier eigentlich der Boss?)

Bilderstrecke: Run to Galena

Bilderstrecke: Bärenblut

Run to Galena

Pausentag
Ich blieb noch einen Tag. Denn beim Abendessen vor der Bärenbegegnung – es gab Stachelschwein (!) im Topf – wurde mir klar, dass ich mit diesem Rythmus nichts, aber auch gar nicht vom Leben am Fluß mitbekam. Irgendwie fühlte es sich an, als sei bis auf die Geschichte mit dem Schwarzbär auf der gesamten Tour nichts passiert und mich durchströmte eine innere Müdigkeit. Also fragte ich am nächsten morgen, ob ich noch einen Tag bleiben könne, und bot im Gegenzug meine Hilfe an, für was auch immer. Aber sicher ging das. Heute musste Holz zum Räuchern geholt werden, und natürlich die Fischnetze kontrolliert. Nach der ersten Kontrolle der Netze mit dem Boot fuhren wir weiter „raus in den Wald“ – es waren schon ein paar Stellen flussaufwärts markiert. Gut, dass ich das Arbeiten im Wald und mit der Motorsäge schon kannte und damit auch tatsächlich eine Hilfe war. Ganz schön schweißtreibend, denn heute war wunderschönes Wetter. Zum Mittagessen ging es zurück – es gab leckeren Eintopf – und danach wieder Netze kontrollieren und an einer anderen Stelle Holz schlagen. Zum Räuchern eigenet sich bereits trockenes Holz der hier wachsenden Pappelart (Cottonwood) am Besten, es gibt einen genz speziellen Geschmack. In den Netzen fanden wir jedoch an jedem Tag jeweils nur zwei Königslachse, der „Rest“ war Dog- oder „Chumsalmon“. Dieser eigne sich nicht sogut zum Räuchern, da der Fettanteil im Fleisch nicht hoch genug sei. Merke: je roter das Fleisch, desto höher der Fettanteil. Mit dem Fettanteil steigt auch die Resistenz gegen Parasiten und die Haltbarkeit. Das ist besonders zu Beginn wichtig, da der Fisch erst einmal „nur“ getrocknet wird – in dieser Phase dürfen Maden keine Chance haben.

Alter Bekannter
Hans, eines der Kinder, rannte auf einmal vom Fluß hinauf. „Da braucht einer Hilfe!“ Schuwpps, schon saß ich allein beim Abendessen. Aber ich hatte da so meine Vermutung, dass dieser jemand ganz sicher keine Hilfe braucht. Ich ging schließlich gemächlich hinterher und sah wenig überraschend Denis auf das Ufer zuschwimmen… Das verschaffte mir ein wenig „Pause“, denn so ein Schwimmer zieht erst einmal sämtliche Aufmerksamkeit auf sich.
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Sonne
Ein wenig erholt, aber auch ein wenig traurig stach ich dann am nächsten morgen wieder in die den Fluß; Denis war schon früher losgeschwommen. Ich dürfe gerne wieder kommen, besonders zum Arbeiten, gerne auch den ganzen Sommer, gab man mir schmunzelnd unter Umarmungen noch schnell mit auf den Weg. Ja, das wäre was. Ein Sommer am – nicht auf – dem Yukon… Bis nach Galena waren es noch rund 80 Meilen und bis Ruby noch ca. 30 Meilen. Ruby solle man sich unbedingt ansehen, aber dazu musste ich den Fluß queren, was ich eigentlich vermeiden wollte. Der Tag war unglaublich schön, die Sonne brutzelte mich wortwörtlich und kein Wölkchen war am Himmel. Ich sah Denis noch einmal am Ufer Pause machen und gesellte mich wieder zu ihm. Er sprach von seinem – alten – Berufsleben und seiner Tochter und war etwas bekümmert. „I can tell people that they are not at the right place. In my opinion bad news are better told quickly and without additional honey. People will hate me anyway afterwards. I can hire, I can fire. My daughter doesn’t understand that. And, especially, she doesn’t understand why I am doing this. I just want to tell that everybody can do as he likes. You are free. You are free if you want.“ Ansatzweise konnte ich vermuten, was seine Tochter meinte. Was im Umkehrschluss nur bedeutete, dass er alles, was er tut und sagt auch genauso will und meint. Der Unterschied wird dann eher in der Lebenserfahrung liegen, vermutete ich weiter. „May be your daughter does not understand you now. But in some time, she will. I am sure. You just have to wait.“ versicherte ich ihm. In meinem Inneren fragte ich mich still, ob ich denn schon zum Seelenklempner am Fluß verkommen sei 😉 Es war Zeit, weiterzupaddeln…

Braten
Unerbittlich knallte die Sonne von oben. Die Einmündung des des Melozitna-Rivers zog ermüdend langsam vorbei und ergoß (für mich mittlerweile unglaublich) klares Wasser in den Yukon. Ein Elch stand am Ufer im Wasser – endlich mal Gelegenheit, ein Tier richtig aus der Nähe zu fotografieren.dsc_0477
Ruby ließ ich links von mir vorüberziehen. Keine Experimente jetzt, dachte ich mir. Viel weiter kam ich aber nicht. Ich musste unbedingt anhalten, wollte ich nicht bei lebendigem Leib anfangen, zu brennen. Sonnenschutzcreme war angesagt. Dazu hielt ich nach einer entsetzlich eintönigen Strecke und nach einer gefühlten Ewigkeit an einer wunderschönen Insel an. Sandstrand und eine flaches Hochplateu zum Zelten. Unfassbar. Der beste Zeltplatz ever am ganzen Fluß! Also blieb ich, genoß den „Abend“ und ein Bad im Fluß. Am nächsten Morgen musste ich verwundert feststellen, dass der ganze Fluß voll mit Treibholz war. Häh? Oh, klar, das Wasser war schon wieder gestiegen, wie die letzten Tage. Und irgendwann wird bereits gestrandetes Treibholz wieder weitergetragen. Gut, dass ich alles hoch auf die Insel gezogen hatte. Die Sonne schien wieder gnadenlos und ich machte mich, endlich wieder in einem normalen Tag/Nacht-Rythmus angekommen, wieder auf den Weg. Ein Schwarzbär trottete am Ufer und blickte mir lange hinterher. Hoffentlich kein Verwandter von vor ein paar Tagen…

Riesig
Der Fluß war unglaublich breit geworden. (Nicht erst jetzt, schon seit der Brücke.) Das andere Ufer konnte man kaum sehen und es ging, auch wenn es Kurven waren, gefühlt nur noch geradeaus. Windanfällig. Und jetzt ist noch gutes Wetter. Irgendwie war diese Monotonie ermüdend für den Kopf, so richtig Spass machte das so nicht. Und das soll jetzt – bei gutem Wetter – noch mindestens drei Wochen so weitergehen? Boah… Ich füllte meinen Hut mit Wasser und setzt ihn mir auf den Kopf. Herrlich kalt. Gut um auf andere Gedanken zu kommen. Trotzdem musste ich mich ja bald entscheiden, denn in Galena wäre die geschickteste Möglichkeit, aufzuhören. Spendenaktion hin, Stolz her. Spass sollte es schon machen. Pfft. Weiterpaddeln. Kurz vor meinem angepeilten Tagesziel entdeckte ich weiße Punkte am rechten Ufer, die sich nach und nach als Kreuze entpuppten. Ein Friedhof? Hier? „London Cemetery“ stand auf der Karte. Ich machte kurz halt und schaute mir alles an. Es war ja nicht mehr weit bis Galena, so 15 Meilen noch. Der Friedhof wurde sogar noch benutzt, hier mitten im Nichts. Unglaublich. Ein bisschen gruselig war das jetzt schon, deswegen fiel es mir nicht allzu schwer, wieder ins Boot zu steigen. In der Ferne waren auch langsam dunkle Wolken zu erkennen. Das konnte mit dem Bombenwetter ja auch nicht wirklich lange gut gehen. Schnell den Lagerplatz angesteuert und das Zelt aufgebaut. „Mist. Hier sind ja Bärenspuren. Auf einer Insel? Och nee. Egal, die sind ja alt, da war das Wasser bestimmt tiefer. Und klein. Also doch hierbleiben.“ Das Gewitter zog aber vorüber und ließ mich noch einen wunderschönen Abend genießen.

Run to Galena
15 Meilen warteten noch auf mich. Dann sollte ich wieder in einer „Stadt“ sein (600 Einwohner). Am Wetter hatte sich nicht viel geändert, und so paddelte ich den endlos geradeaus anmutenden letzten Teil gemächlich weiter. Nur ein bißchen Wind (Gegenwind natürlich) war jetzt ab und zu da. Und, irgendwann, zeigten sich die ersten Boote, Anleger und Häuser. GESCHAFFT!!!! Nur so richtig freuen konnte ich mich nicht, mir war eher zum Heulen zumute. Ich legte an und ging zum nächsten Laden, von dem ich zufällig nicht so weit weg war und gönnte mir erst einmal ne Limo. Und laberte die Verkäuferin voll. Wo ich denn gut Zelten könne usw.. Ich brauchte so langsam wohl doch wieder etwas Gesellschaft? Sie gab mir den Tipp, nach „Jake, the (mad) Russian“ Ausschau zu halten. Moment mal… von dem hatte ich doch schon einmal irgendwo etwas gelesen? Oder Gehört? Hmmm. Also weiterpaddeln. Zu Jake.

Paddelbilanz
470 km in 10 Tagen (05.07. bis 14.07.), davon 1 Tag Schlechtwetter-Warten, 1 Pausentag und zwei Tage mit „halber“ Ganztagesdistanz (erster und letzter). Was war anstrengend? Die Größe des Flusses und die damit verbundene Windanfälligkeit. Neuer Tag-/Nacht-Rythmuswechsel. Highlights waren der Pausentag und die Familie am Camp, die Begegnungen mit Denis und den Tieren. Auch wenn es in dem einen Fall kein Happy-End gab. Vor den Rampart-Rapids muss man sich eher nicht fürchten.

Bilderstrecke: Yukon Flats