Im Kanu auf dem Yukon

Von den Quellseen bis zur Beringsee

Rock sausages vor Victoria

Lihue. Ich stehe vorm Flughafen. Gleich gehts zurück. Wieso hab ich eigentlich unbedingt schon den Rückflug mitbuchen müssen? Nicht mehr lange, und ich bin zurück. In Deutschland. Ich hatte bei meiner Abreise ein Schlachtfeld hinterlassen – Wohnung aufgelöst, die Klamotten eingebunkert, Auto stehengelassen… wo soll ich denn eigentlich hin? Und was soll ich in Deutschland? Mir wird schwindelig. Und wenn ich einfach hierbleibe? Ich habe doch noch etwas Zeit? Ich setze mich auf eine Mauer, rempele vorher fast ein paar Leute an. Die Sonne brennt, ich gucke fahrig durch die Gegend. Ich rufe Birgit an. Sie meint, ich hätte Angst. Angst?? So ein Quatsch!

Doch.
Angst.
Nein.
Doch ich.
Habe Angst.
Vorm Zurückkommen.
Vorm Ankommen?
Vorm Wegbleiben.
Vorm Träumen?
Vorm Weitermachen.
Vorm Weiterträumen?
Doch. Ich
habe Angst.

Ich steige in den Flieger.
Zurück bleibt
die Freiheit
im Herzen.
Freiherz.

Wieder LA
Diesmal muss ich selbst zu Grace Shee finden, denn sie hatte einen Unfall mit Ihrem Wagen und fährt verständlicherweise nicht gleich wieder los. Wir gehen was Essen und erzählen Geschichten. Später buche ich meinen Rückflug um, der 26. September soll es nun werden, von Vancouver aus. Als ich auf das Datum sehe fällt mir auf, dass ich ja am 11. September auch im Flugzeug innerhalb der USA gesessen habe. 9-11. 911 ist übrigens in den USA die allgemeine Notrufnummer… Bryan holt mich am Abend ab, es gibt bei ihm zu Haus in Beverly Hills (!) leckere Burger, seine Frau Sandy wartet schon auf uns. Aber wir kommen zu spät, weil Bryan mich noch ein wenig durch Beverly Hills fährt. Ich kann mir schlimmeres vorstellen. Wir erzählen uns Geschichten von der Reise – ich bin unglaublich beeindruckt, in welcher Geschwindigkeit er es geschafft hat. Er erzählt aber auch von 3 Meter hohen Wellen bei Pilot Station – in dem Zeitraum, in dem ich kurz nach Fort Yukon feststeckte. Er erzählt auch von einen Mann in einem gelben Doppelkayak, der bei St. Marys aus einem Sturm gefischt wurde – oh-oh, hoffentlich war das nicht der Thomas… Ich stelle fest, dass es unglaublich schön ist, die Leute nach der Tour zu besuchen – aber morgen gehts schon nach Vancouver.

Rock sausages vor Victoria
Von Vancouver aus muss man noch eine kleine logistische Meisterleistung vollbringen, um nach Victoria auf Vancouver Island zu kommen. Angekommen, erwarte ich meine Cousine Karin in einem bekannten Schnellrestaurant. Karin wohnt in einer 3er-WG und ich darf in der Wohnküche auf dem Riesensofa nächtigen. Nach einem abendlichen Abstecher in die Uni-Kneipe (nur wenig übertrieben: es gibt es einen Durchgang aus der Bibliothek hinein) erkunde ich am folgenden Morgen den Hafen und beschließe spontan, noch einmal in ein Boot zu steigen. Leider sind alle Kanuverleiher ausgebucht oder krank. Ganz am Ende an der Fisherman’s Wharf findet sich jedoch doch noch ein Verleiher, allerdings bietet er nur Touren mit Guide an… na sowas brauche ich doch nicht mehr. Andererseits ist es jetzt auch egal. Ich will aufs Wasser. Ich bin der einzige Gast. Luke, „mein“ Guide (nicht mein Sohn…) freut sich auch. Wir fachsimpeln übers Paddeln und beobachten die Seehunde (Harbour Seals), die sich auf den Felsen vorm Hafen sonnen. „We call them rock sausages!“ meint Luke und macht ein Foto, auf dem ich reichlich dämlich grinse (ganz oben). Sehr passend. Am letzten Tag machen wir mit der WG noch einen kleinen Ausflug zum Thetis Lake, kochen abends ein wenig, dann wars das.

Das wars.
Das wars.
Ich steige in den Flieger.
Zurück bleibt
die Freiheit
im Herzen.
Freiherz.

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